Experten: Riestern wirft kaum noch Rendite ab

Experten: Riester-Rente nicht mehr zeitgemäß

Die Riester-Rente ist in ihrer derzeitigen Ausgestaltung wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr zeitgemäß und wirft kaum Rendite ab. Kunden, die bereit seien, ein höheres Risiko einzugehen, fänden auf dem Markt keine geeigneten Produkte, monierten Experten des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) in einer am Montag veröffentlichten Studie. Sie forderten eine Abschaffung der Beitragsgarantie - diese sichert Sparern beim Renteneintritt mindestens ihre Einzahlungen plus die staatlichen Zulagen.

Die Riester-Rente gibt es seit 2002. Die geförderte Privatvorsorge soll das sinkende Niveau gesetzlicher Renten ausgleichen. Wer vier Prozent seines Einkommens in eine Riester-Altersvorsorge investiert, erhält staatliche Zulagen. Die Verträge stehen aber immer wieder wegen der hohen Kosten und des Bürokratie-Aufwands in der Kritik. Derzeit gibt es 16 Millionen Verträge - davon liegen aber 3,3 Millionen auf Eis, die Sparer zahlen also nicht ein.

Die Studie, die gemeinsam mit dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank DWS erstellt und vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) präsentiert wurde, monierte nun vor allem die mageren Renditeaussichten. "Wer ein Risiko eingehen möchte, dem muss auch die Gelegenheit dazu gegeben werden", forderte IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer. Sparer hätten heute wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase aber kaum noch die Möglichkeit zu Riester-Produkten mit höheren Risiken.

Die Experten simulierten mit rund 10.000 Kapitalmarktszenarien die Chancen und Risiken einzelner Produkte - einmal für einen Riester-Tarif mit Garantie und einmal ohne. Der Studie zufolge kamen im ersten Fall bei einer 30-jährigen Anspardauer nur Leistungen heraus, die knapp oberhalb der Garantiesumme lagen. Tarife ohne Garantie erzielten hingegen im Mittel ein bis zu 64 Prozent höheres Kapital, schrieben die Experten. Allerdings gibt es dabei auch das Risiko, dass unterm Strich weniger Geld herauskommt.

Das Institut forderte eine Abschaffung oder wenigstens eine Flexibilisierung der Beitragsgarantie der Riester-Rente. Jeder solle selbst entscheiden können, wie hoch das Risiko sein soll, forderten die Autoren. Auch der bürokratische Aufwand fürs Riestern müsse gesenkt werden.

Außerdem müsse das Konzept vereinfacht werden, etwa durch ein Stufenmodell der Beitragszahlung je nach Einkommensklasse. Derzeit ist es so, dass Sparer die ungekürzte Riester-Zulage bekommen, wenn vier Prozent ihres Bruttoeinkommens in den Riester-Vertrag fließen. Wer weniger einzahlt, bekommt niedrigere Zulagen.

Bei der Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002 seien die Rahmenbedingungen für einen "vernünftigen Kapitalaufbau" noch gegeben gewesen, heißt es in der Studie. So hätten etwa zehnjährige Bundesanleihen noch eine Rendite von weit über vier Prozent gehabt, 2016 lagen sie allerdings im Negativbereich. Wegen der niedrigen Zinsen und der vorgeschriebenen Beitragsgarantie investierten Anbieter das Geld der Kunden in den ersten Vertragsjahren mittlerweile "kaum noch" in chancenreichere Kapitalanlagen. Das DIA wird von Unternehmen der Finanzwirtschaft getragen.

Zum Stand einer Reform bei der Riester-Rente befragt sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums am Montag, daran "wird gearbeitet", jedoch "nicht primär". Es werde ein "Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft" angestrebt, um eine Vereinfachung von Riester-Verträgen zu erreichen.