Instagram wildert im Youtube-Revier und bietet längere Videos an


Die Social-Media-Plattform Instagram, die als Foto-Sharing-App begonnen hat, wird zum ausgewachsenen Video-Streaming-Anbieter. Künftig erlaubt die App Videos von bis zu einer Stunde Länge. Bisher war nach zehn Minuten Schluss.

Das Vorhaben zielt auf die Nutzer der Google-Tochter Youtube ab. Die Plattform ist Weltmarktführer beim Videostreaming.

Zuvor hatte Instagram bereits die beliebtesten Funktionen der Messaging-Plattform Snapchat kopiert und zwar so gut, dass die Kids bald lieber zum Klon wechselten, als beim Original zu bleiben. Die App des Unternehmens Snap kämpft seitdem mit massiven Wachstumsproblemen. Eine Neuentwicklung, um attraktiver zu werden, endete im Fiasko.

Jetzt will Instagram Milliarden von Youtube-Anhängern mit bis zu einstündigen Videos begeistern, erklärte Instagram-CEO Kevin Systrom in San Francisco. Zunächst werden jedoch nur ausgewählte Instagrammer mit hohen Besucherzahlen in diesen Genuss kommen. Aber die breite Markteinführung ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann soll die Zeitbeschränkung dann ganz fallen.

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Das Markenzeichen werden „aufrechte“ Videos sein, anstelle der traditionellen, per Smartphone im Querformat geschossenen horizontalen Clips. Vertikale Videos sind besonders bei jungen Nutzern beliebt. Die Videos werden auf Instgram und der neuen App IGTV (Instagram-TV) zu sehen sein.

Instagram wird immer mehr zur Lebensversicherung für die Mutter Facebook. Die Wachstumsrate im ersten Quartal betrug bei Facebook nur noch 3,14 Prozent auf 2,2 Milliarden monatliche Nutzer. Instagram glänzte dagegen zuletzt mit einem Zuwachs von fast fünf Prozent und kommt nun auf über eine Milliarde monatliche und zumeist junge Nutzer. Diese kehren gerade in Scharen Facebook den Rücken zugunsten von Instagram.

Es geht um viel Geld. Obwohl es keine offiziellen Zahlen aus dem Hause Facebook gibt, schätzen die Marktforscher von E-Marketer den nordamerikanischen Werbeumsatz bei Instagram schon jetzt auf 5,8 Milliarden Dollar im Jahr 2018. Das wäre ein Plus von 70 Prozent zum Vorjahr und bereits mehr als Youtube, das von den Marktbeobachtern auf unter fünf Milliarden taxiert wird.


Die Facebook-Gruppe und Google mit Youtube repräsentieren insgesamt schon über 60 Prozent des US-Digitalwerbemarktes.

Die Facebook-Aktie kletterte am Mittwoch um 2,28 Prozent und schloss bei 202 Dollar auf Allzeithoch. Google musste sich mit einem bescheidenen Plus von 0,15 Prozent begnügen.

Alles wird jetzt darauf ankommen, ob und wie es Zuckerberg schaffen wird, die Tretminen zu umgehen, die überall im Bereich Videostreaming lauern. Der Erfolg Instagrams ist nicht zuletzt den Problemen Youtubes geschuldet. Dort kam es zuletzt immer wieder zu Skandalen rund um illegale Videos und unangemessenen Inhalten. Das hatte auch viele Werbekunden verärgert.

Dieses Problem will Instagram-Chef Systrom für den Anfang erst einmal komplett verhindern, bis die vielleicht wilde Anfangsphase vorbei ist und klar ist, was zu erwarten ist. Werbung wird es erst einmal nicht geben, teilte der CEO mit. Aber er fügte auch an: „Es wäre allerdings eine logische Weiterentwicklung.“