„Inspiration 4“ schreibt Geschichte: SpaceX hat zusammen mit einem Milliardär eine Crew aus Amateuren ins Weltall geschickt

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In der Nacht von Mittwoch, dem 15. September, auf den darauffolgenden Donnerstag ist in Cape Canaveral, Florida, eine SpaceX-Rakete in den Himmel emporgeschossen. Die Besatzung, die sie an Bord hatte, ist eine Besondere: Sie besteht aus Amateurinnen und Amateuren – keine einzige professionelle Astronautin ist darunter.

Es hat schon „Normalos“ und reiche Touristen gegeben, die sich in den Orbit haben befördern lassen. Sie waren allerdings immer in Begleitung professioneller Raumfahrer. Alle vier Passagiere, die um 20:02 Uhr Ortszeit (2:02 deutscher Zeit) in der „Falcon 9“ saßen, sind allerdings ganz normale Bürgerinnen oder Bürger mit ganz normalen Jobs. Es handelt sich um einen Ingenieur, eine Arzthelferin, einen Geowissenschaftler und einen milliardenschweren Highschool-Abbrecher.

Die Gruppe trainiert seit etwas mehr als fünf Monaten für ihrem Flug ins All. Nun sind sie im Orbit der Erde, werden dort drei Tage lang auf- und abfliegen – und damit weiter von der Erde weg sein, als es irgendein Mensch seit dem Jahr 2009 gewesen ist. Der Name ihrer Mission: Inspiration4. Die Rakete ist vom Kennedy Space Center der NASA aus gestartet. Die Weltraumorganisation der US-Regierung hat ansonsten aber nichts mit der Mission zu tun.

Millionär Jared Isaacman hat den SpaceX-Flug gechartered. Er zahlt die Rechnunng – und ist gleichzeitig der Kommandeur des „Crew Dragon“-Raumschiffs. Die anderen drei Sitze gab er an Sian Proctor, eine Geowissenschaftlerin, die in Simulationen als „Test“-Astronautin für Mars-Missionen arbeitet; Hayley Arceneaux, die in einem Kinderkrankenhaus tätig ist; und Chris Sembroski, einen Air Force-Veteranen, der bei Lockheed Martin arbeitet.

„Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr wir uns über diese Chance freuen. Wir wissen, dass wir vier ein Erlebnis vor uns haben, das bisher nur ungefähr 600 Menschen vor uns hatten“, sagte Isaacman in einer Pressekonferenz a Dienstag. „Wir konzentrieren uns darauf, jedes bisschen Zeit, das wir im Orbit haben, auch wieder zurückzugeben: an die Menschen und Dinge, die uns am wichtigsten sind.“

Die Crew von links nach rechts: Chris Sembroski, Jared Isaacman, Hayley Arceneaux, and Sian Proctor.
Die Crew von links nach rechts: Chris Sembroski, Jared Isaacman, Hayley Arceneaux, and Sian Proctor.

Isaacman möchte durch den Flug insgesamt 200 Millionen Dollar für die Forschung an Krebs bei Kindern sammeln, die das St. Jude's Hospital betreibt. Dort arbeitet auch Hayley Arceneaux. Isaacman sammelt online Spenden und hat auf seinem Flug Auktionsgegenstände dabei. All das kommt noch zu den 100 Millionen Dollar, die er bereits selbst gespendet hat. „Es gibt reale Probleme und reale Pflichten, die wir hier auf der Erde beachten müssen, um uns das Recht zu verdienen, morgen Fortschritte zu machen“, sagt er.

Nach dem Start brachte die „Falcon 9“-Rakete das Raumschiff bis kurz vor den Orbit. Dann löste sich der Antrieb und fiel zurück auf die Erde. Er landete auf einem Drohnenschiff im Meer, um dann irgendwann wieder zu fliegen. Danach gab der oberer Teil der Rakete der „Crew Dragon“ den finalen Stoß – bevor auch er abfiel.

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Und so flog das Raumschiff mitsamt seinen Passagieren dreizehn Minuten nach dem Start über unserem Planeten auf und ab. Der Bereich in dem Raumschiff, in dem die Crew die kommenden drei Tage verbringen wird, bietet in etwa so viel Platz wie ein begehbarer Kleiderschrank. Jetzt, da die Crewmitglieder im Orbit sind, können sie ihre Raumanzüge ausziehen. Das erste Abendessen soll aus kalter Pizza bestehen.

Eine Illustration des „Crew Dragon“-Raumschiffs.
Eine Illustration des „Crew Dragon“-Raumschiffs.

Weil Inspiration4 nicht an einer Raumstation andocken wird, hat man bei Space X den Port ersetzt, der eigentlich für ein solches Andocken verwendet würde. Dafür haben die Crewmitglieder ein großes, rundes Fenster, das ihnen einen umfassenden Blick auf die Erde ermöglicht. Während die vier Amateur-Raumfahrerinnen und -Raumfahrer im All sind, mehr als 570 Kilometer über der Erde, werden sie täglich 15 Sonnenauf- und -untergänge beobachten können.

Um sich die Zeit zu vertreiben, wollen die Crewmitglieder Daten für die Forschung an einer Frage sammeln: Wie wirkt sich ein Flug ins All auf den menschlichen Körper aus? Weil sie so hoch fliegen, werden sie mehr Strahlung ausgesetzt sein als Astronauten auf einer Raumstation, die auf einer Höhe von nur etwa 400 Kilometern über der Erde operiert. Daten darüber, wie das den Körper der Passagiere beeinflusst, könnten bei zukünftiger Forschung helfen, die wiederum nützlich bei der Planung von Mond- und Marsflügen wäre. Isaacman, Proctor, Arceneaux und Sembroski werden beieinander die Vitalwerte messen, Blutproben nehmen, ihre Organe mit Ultraschall untersuchen und kognitive Tests auf einem Tablet durchführen.

Doch sie werden sich auch die Zeit für ein bisschen Spaß nehmen. Sembroski etwa hat eine Ukulele mit ins All genommen, Proctor einige Malutensilien. Am Samstag oder Sonntag Ortszeit soll die „Crew Dragon“ ihre Triebwerke abfeuern, um zurück in die Atmosphäre zu gelangen. Das wird einen extrem schnellen Abstieg zur Folge haben. Der Unterbauch des Raumschiffs muss seine Insassen schützen – weil die Reibung die Luft um es herum auf mehr als 1900 Grad Celsius erhitzen wird. Dann muss das Raumschiff seine Fallschirme einsetzen, um sicher auf dem Ozean zu landen.

Die „Crew Dragon“ hat bereits zweimal NASA-Astronauten auf diese Reise geschickt, ohne dass es dabei zu Pannen kam. SpaceX hat das Raumschiff für den Wettbewerb „Commercial Crew Program“ der NASA entwickelt. Ziel war es, bemannte Raumflüge von den USA aus wieder möglich zu machen. Kein Raumschiff war seit 2011 von dort aus gestartet. Space X hat dieser Zeit ein Ende gemacht, als das Unternehmen im Mai 2020 seine ersten Astronauten beförderte.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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