Innogy plant neuen britischen Versorger

Der britische Stromkonzern SSE verhandelt mit der RWE-Tochter Innogy über einen Zusammenschluss der Geschäftsaktivitäten in Großbritannien. Eine Kooperation könnte Innogys kriselndes Geschäft auf der Insel stabilisieren.


Das Geschäft in Großbritannien macht Innogy-Chef Peter Terium schon lange keine Freude mehr. Erst rutschte die Tochter N-Power durch Missmanagement in die Verlustzone. Dann erschwerten der harte Wettbewerb und die scharfe Regulierung die Sanierung.
Jetzt plant Terium aber einen überraschenden Befreiungsschlag: Er will die Vertriebsaktivitäten der britischen Tochter mit denen des zweitgrößten britischen Energiekonzerns SSE zusammen legen – und einen komplett neuen Versorger für den britischen Markt gründen.
Die RWE-Tochter Innogy teilte am Dienstag mit, mit der SSE Plc. in exklusiven und fortgeschrittenen Gesprächen zu sein. Geplant sei die Gründung einer börsennotierten Gesellschaft. Noch gebe es aber keine bindenden Verträge.


Das neue Unternehmen wäre eine Macht auf dem britischen Markt. Alleine N-Power versorgt in Großbritannien fast drei Millionen Kunden mit Strom und zwei Millionen mit Gas. SSE hat dort 7,7 Millionen Kunden.
2016 setzte Innogy im britischen Vertriebsgeschäft 6,1 Milliarden Euro um. Das waren aber fast 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis war vor Steuern und Zinsen mit 110 Millionen Euro weiter negativ.
Dabei hatte schon der RWE-Konzern, der im vergangenen Jahr das Vertriebsgeschäft gemeinsam mit den erneuerbaren Energien und dem Netz in Innogy abgespalten hat, einen harten Sanierungskurs bei N-Power eingeschlagen. Das Unternehmen hatte unter anderem durch massive IT-Probleme Kunden zu Hunderttausenden verprellt.


Anfang des Jahres berichtete Terium zwar über Fortschritte, hatte aber auch auf schwierige Rahmenbedingungen verwiesen. Der britische Strommarkt gilt als einer der härtesten in Europa.
Über eine – zumindest teilweise – Trennung vom britischen Geschäft wird schon länger spekuliert. Terium heizte diese vor kurzem an, als er seine Strategie neu justierte. Dabei stellte er klar, dass Innogy bis 2025 in allen relevanten Märkten zu den drei führenden Anbietern und den ertragsstärksten Unternehmen der Branche gehören wolle. Ansonsten wolle sich das Unternehmen auch von Aktivitäten trennen.

KONTEXT

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.