Innogy gibt nach – und unterstützt Zerschlagungspläne

Eon möchte die RWE-Tochter Innogy übernehmen. Lange Zeit kämpften die Essener gegen das Vorhaben. Jetzt fügen sie sich ihrem Schicksal.


Die RWE-Tochter Innogy hat ihren latenten Widerstand gegen die eigene Zerschlagung aufgegeben. Sie werde die zügige Umsetzung der geplanten Transaktion zwischen RWE und dem Branchenkollegen Eon unterstützen, teilten die drei beteiligten Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Man habe sich auf „faire Integrationsprozesse“ geeinigt, hieß es weiter.

Innogy-Chef Uwe Tigges erklärte: „Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Innogy übernommen wird, haben wir das Bestmögliche für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgeholt.“ Die Unternehmen wollen demnach bei der Integration die Mitarbeiter fair und möglichst gleich behandeln, unabhängig davon, welchem Unternehmen sie bisher angehören. Bereits im Mai hatte Tigges verbindliche Zusagen zu einem ausgewogenen Integrationsprozess gefordert.

Zudem solle den Stärken der jeweiligen Unternehmen Rechnung getragen werden. Weitere tarifliche Gespräche zur sozialen Flankierung der Pläne würden auf Basis der Grundsatzeinigung der drei Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern vom Mai vorbereitet. Damals wurden betriebsbedingte Kündigungen von Eon-Chef Johannes Teyssen praktisch ausgeschlossen.


Teyssen zeigte sich erleichtert über die Einigung. „Die Vereinbarungen mit Eon und RWE schaffen die Grundlage für faire Integrationsprozesse auf Augenhöhe und somit für eine konstruktive Zusammenarbeit in der Zukunft“, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der drei Konzerne. Man habe das Bestmögliche für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgeholt. RWE-Chef Martin Schmitz betonte, dass im Zuge der Übernahme alle Mitarbeiter gleich behandelt würden, nun wolle man prüfen, ob der Übergang der Erneuerbaren Energien zu RWE beschleunigt werden könne. Bei Eon, als auch bei dem Geschäft mit Erneuerbaren Energien sollen Projektgruppen nun für einen reibungslosen Übergang sorgen.

Die beiden Energieriesen Eon und RWE wollen die RWE-Tochter Innogy bis Ende des kommenden Jahres zerschlagen und die Geschäfte neu aufteilen. Im ersten Schritt will Eon Innogy komplett übernehmen und im Gegenzug RWE am eigenen Unternehmen mit knapp 17 Prozent beteiligen. Den Minderheitsaktionären bietet Eon 38,40 Euro je Aktie an – inklusive der für 2018 zu erwarteten Dividende von 1,64 Euro. Das Barangebot liegt also bei 36,76 Euro je Aktie.

Eon wird das lukrative Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten und will dadurch zu einem der größten europäischen Versorgern aufsteigen. Unter dem Dach von RWE sollen die erneuerbaren Energien beider Konzerne vereint werden.

Der fusionierte Konzern soll 50 Millionen Kunden versorgen und ein Netz mit einer Länge von etwa 1,5 Millionen Kilometern betreiben.

Vorher müssen die Innogy-Aktionäre allerdings noch dem Übernahmeangebot von Eon zustimmen. Nach Ablauf der ersten Frist wurde die Offerte für nur 30,4 Millionen Aktien angenommen. Das entspricht gerade einmal knapp 5,5 Prozent des Unternehmens. Es gibt allerdings eine zweite Annahmefrist, die am 25. Juli um Mitternacht endet. Die großen Investoren warten üblicherweise bis zum Schluss einer Offerte ab. Eon-Chef Teyssen muss sich trotzdem keine Sorgen machen. Er bekommt bei dem Deal mit RWE die kompletten Anteile des Mutterkonzerns an Innogy und verfügt damit schon über 82,3 Prozent des Konzerns.