Was die Innogy-Übernahme für die Energiewirtschaft bedeutet

In der deutschen Energiewirtschaft bahnt sich eine spektakuläre Milliardenübernahme an. Doch wie soll der Deal konkret aussehen?


Eon will die RWE-Ökostromtochter Innogy kaufen, wie die beiden Branchenriesen am Sonntag mitteilten. Dazu hätten sie eine Grundsatzeinigung erzielt, die einen weitreichenden Tausch von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen sowie eine Barzahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vorsieht. Hier finden Sie Antworten zu fünf Fragen rund um den Mega-Deal der deutschen Energiewirtschaft.


Wie viel sind Innogy und Eon an der Börse wert?

Innogy hat derzeit einen Marktwert von rund 19,2 Milliarden Euro, Eon nur 18,4 Milliarden Euro.

Die RWE-Ökostromtochter Innogy hatte 2016 einen glänzenden Börsenstart hingelegt. Doch die „grüne“ RWE –Tochter verlor rasch an Vertrauen der Anleger. Das Unternehmen drohte, in den ersten Jahren seit der Gründung zu stagnieren. Konzernkreise rechneten erst ab 2020 damit, dass sich die Investitionen in neue Windparks auszahlen würden.


Wofür sind Eon und Innogy auf dem deutsche Energiemarkt bekannt?

Eon und RWE sind beide in Nordrhein-Westfalen ansässig und haben bei der europaweiten Abkehr von fossilen Energieträgern ähnliche Wege beschritten: Beide Konzerne vollzogen die Abspaltungen 2016. Eon lagerte die Sparten mit fossilen Brennstoffen in Uniper aus, RWE spaltete die entsprechenden Bereiche in Innogy ab.

Eon und Innogy betreiben Strom- und Gasnetze, Ökostrom sowie das Vertriebsgeschäft von Strom und Gas. Eon ist Deutschlands größter Investor im Bereich erneuerbare Energien mit mehr als 10 Milliarden Euro Assets in Windkraft-, Solar- und Speicheranlagen. RWE ist Deutschlands größter Stromerzeuger, allerdings mit einer starken Ausrichtung auf konventionelle Energieträger.

Die RWE-Tochter Innogy hat versucht, seine globale Präsenz mit Windkraft- und Solaranlagen auszubauen, unter anderem in den USA und in Australien.


Wie soll der Deal konkret aussehen?

Die Geschäfte sollen jetzt unter Eon und RWE aufgeteilt werden. Eon konzentriert sich auf Strom- und Gasnetz und den Vertrieb, der Ökostrom wird bei RWE gebündelt.


Nach der Grundsatzeinigung soll RWE zunächst eine Beteiligung an Eon von 16,67 Prozent erhalten. Die Aktien würden von Eon im Rahmen einer 20-prozentigen Sachkapitalerhöhung ausgegeben. Zudem solle RWE den weitgehenden Teil von Eons Erneuerbare-Energien-Geschäfts erhalten sowie das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft von Innogy und das Innogy-Gasspeichergeschäft sowie den Anteil am österreichischen Versorger Kelag.

Auch solle RWE die von der Eon-Tochter PreussenElektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten. Eon wolle den Innogy-Minderheitsaktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar von 40 Euro je Aktie vorlegen. Ziel sei eine volle Integration von Innogy in den Eon-Konzern.


Warum durchlebte Innogy turbulente Monate?

Der Niederländer Peter Terium wurde am 19. Dezember 2017 als Vorstandschef von Innogy gefeuert. Terium hatte im April 2016 den Chefposten bei Innogy übernommen, nachdem er zuvor seit 2012 Vorstandsvorsitzender bei RWE gewesen war. Terium produzierte hohe Kosten, lieferte aber gleichzeitig nur bescheidene Ergebnisse ab. Eine Woche vor seiner Entlassung hatte er den Markt mit einer Gewinnwarnung schockiert: 2018 sollte Innogys Ergebnis sowohl vor Steuern als auch netto erneut sinken.

RWE hält an Innogy 76,8 Prozent und ist stark von den Dividendenzahlungen der Ökostrom-Tochter abhängig. In der Gewinnwarnung hatte Innogy angekündigt, 2017 werde das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen voraussichtlich nur rund 4,3 statt 4,4 Milliarden Euro betragen. Das für die Dividendenberechnung ausschlaggebende bereinigte Nettoergebnis werde 2017 wie geplant bei mehr als 1,2 Milliarden Euro liegen. 2018 sei mit einem Rückgang auf gut 1,1 Milliarden Euro zu rechnen.

Hintergrund für den Rückgang waren laut Innogy erhebliche höhere Investitionen in Zukunftsfelder wie Elektromobilität, Breitbandnetze und Digitalisierung. „Auch wenn das kurzfristig unser Ergebnis belastet, bin ich überzeugt: Das ist die richtige Strategie“, hatte sich Terium damals noch überzeugt gezeigt.


Wie geht es weiter?

Der Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung benötigt die Zustimmung der Gremien beider Konzerne. Der Deal dürfte zudem vor erheblichen Hürden bei den Regulierungsbehörden stehen, da sich die Geschäfte zum Teil überschneiden. Aufseiten der Arbeitnehmer dürften Fragen nach der Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt stehen.

Vor allem kommunale RWE-Aktionäre, zu denen Städte wie Essen und Dortmund gehören, sollen dem Deal mit Eon sehr skeptisch gegenüber stehen und die Mehrheit an Innogy behalten wollen.

Eon und RWE legen in der kommenden Woche ihre Bilanzen vor. Beide Konzerne haben durch die Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Brennelementesteuer Milliarden in der Kasse.