Innerlich kündigen, wütend kündigen oder zuerst mal einen neuen Job finden? So entscheidet ihr richtig

Wenn ihr euren Arbeitsplatz verlassen wollt, dann solltet ihr das auch richtig planen. - Copyright: Yuri_Arcurs/Getty Images
Wenn ihr euren Arbeitsplatz verlassen wollt, dann solltet ihr das auch richtig planen. - Copyright: Yuri_Arcurs/Getty Images

Es gab früher Zeiten, in denen das Ende einer Beschäftigung durch ein geplantes, unangenehmes Gespräch mit den Vorgesetzten eingeleitet wurde. Doch diese Zeiten sind für viele inzwischen vorbei.

Mittlerweile hat das Wort Kündigung neue (teils verwirrende) Konnotationen. Viele Menschen verlassen ihren alten Job zwar noch immer so und suchen dann einen neuen. Dennoch werden Begriffe wie stillschweigende Kündigung ("Quiet quitting") oder Wutkündigung (Rage quit") inzwischen vermehrt verwendet – Insbesondere von jungen Menschen.

Falls ihr euch in eurem jetzigen Job gefangen fühlt, dann solltet ihr wissen, dass ihr andere Perspektiven habt. Eure Optionen bestehen nicht nur aus der Misere auf der Arbeit oder Arbeitslosigkeit nach der Kündigung. Eine Erkenntnis, die einem ein befreiendes Gefühl geben kann.

Selbstverständlich ist jede Karriere einzigartig und kein Rat allgemeingültig. Wir haben nur ein Handbuch zur Befreiung: Mit Argumenten für Wutkündigungen, für stillschweigende Kündigungen und für die klassische Suche nach einem neuen Job – auch bevor man gekündigt hat.

Was macht euch denn so unglücklich?

Der erste Schritt muss sein, herauszufinden, wieso ihr euren Job überhaupt hasst. Sind eure Vorgesetzten schrecklich? Sind eure Aufgaben langweilig oder ist euer Zeitplan so unvorhersehbar, dass es euch stresst?

Ich hatte mal ein Interview mit Gretchen Rubin geführt. Die Verfasserin des Bestsellers "The Happiness Project" hat mir im Interview dann gesagt, "wenn man präzise festlegen kann, was einen verrückt macht, dann kann man es oft viel leichter als gedacht in Ordnung bringen". Einen unhöflichen Chef oder einen langweiligen Arbeitsalltag überwältigt man leichter als nebelhafte Misere, die nicht aufgefasst werden kann.

Erst wenn ihr wisst, was euch unglücklich macht, könnt ihr auch Gedanken machen, was für eine Kündigung für euch gut passt.

Quiet quitting: Falls ihr andere Prioritäten im Leben habt

Ich habe im vergangenen Jahr ein Buch geschrieben, um jenen zu helfen, die das Gefühl haben, festzustecken und keine echte Änderung mehr in ihrer Karriere bewirken zu können. Viele Menschen haben Kontakt zu mir aufgenommen und gesagt, dass sie in unterschiedlichen Lebensphasen auch unterschiedliche Einstellungen zu ihrer Karriere gehabt hätten.

Ein ehemals "ambitionierter" Vater hat mir erzählt, dass Vernetzungsmöglichkeiten ihm früher wichtig gewesen seien, da sie ihm in seiner Karriere zugutekämen. Doch nun verbringe er lieber Zeit mit seiner Familie. Auch wenn das bedeute, dass ihm solche Chancen entgingen.

Dieser Vater tut momentan nur das Nötigste auf seiner Arbeit. Er hat seinen Job seit über einem Jahrzehnt. Er bietet ihm großzügige Urlaubstage und die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten – mehr aber nicht. Konsequenterweise gibt er seinem Job auch nur das absolute Minimum zurück.

Wutkündigung: Falls euer Job eurer (mentalen) Gesundheit schadet

Klar, es ist viel professioneller, euren Vorgesetzten Bescheid zu geben, bevor ihr kündigt. Doch falls euer Job bei euch Angststörungen und Depression verursacht oder solche mentalen Probleme befeuert, dann könnt ihr aus meiner Sicht von dieser Norm abweichen.

Rahkim Sabree sagt, er habe seinen Job als Bankprogrammleiter gekündigt, als der Job angefangen habe, "seine mentale Gesundheit negativ zu beeinflussen – ich war wütend, ängstlich, unerfüllt und unglücklich."

In ähnlicher Weise solltet ihr kündigen, falls ihr in einem toxischen Umfeld arbeitet. Das erkennt ihr, wenn die Führung mit Unhöflichkeit und ohne Respekt arbeitet, mit Ausgrenzungen agiert und unethische Entscheidungen duldet.

Einen neuen Job finden: Falls ihr den Job schlecht macht, weil euch übel ist

Wie manifestiert sich euer Frust? Der Vizepräsident von Etsy, Toni Thompson, hat mir mal in einem Interview gesagt, man solle seine Arbeit nicht behalten, wenn man so frustriert sei, dass man plötzlich keine gute Arbeit mehr leiste und ein schlechter Kollege sei.

Thompson meint, so könne man den positiven Eindruck des Arbeitgebers behalten und eine Empfehlung bekommen, auch wenn man dort nicht mehr arbeiten möchte.

Letztendlich ist die Entscheidung, die ihr trefft, eure Entscheidung. Versucht, herauszufinden, welche Optionen für euch am besten passt. Nach paar Monaten könnt ihr eure Entscheidung nochmal evaluieren und schauen, was ihr über euren Job – und über euch – gelernt habt.

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Mann Kündigung
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