Großfahndung nach mutmaßlich islamistischem Anschlag in Wien

Anne BEADE
·Lesedauer: 2 Min.
Polizeikontrolle nahe des Tatorts

Großfahndung nach mutmaßlich islamistischem Anschlag in Wien

Polizeikontrolle nahe des Tatorts

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag mit mindestens vier Todesopfern in Wien fahndet die Polizei mit einem Großaufgebot nach möglichen weiteren Tätern. Bei dem während des Anschlags am Montagabend erschossenen Angreifer handelt es sich nach den Worten des österreichischen Innenministers Karl Nehammer um einen "Sympathisanten der Terrormiliz IS". Die Behörden forderten die Bewohner der österreichischen Hauptstadt auf, zunächst weiter zu Hause zu bleiben und die Innenstadt zu meiden. 

Einer oder mehrere Angreifer hatten am Montagabend im Wiener Ausgehviertel Bermuda-Dreieck an sechs verschiedenen Orten auf Passanten geschossen. Zwei Frauen und zwei Männer erlagen ihren Verletzungen. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt, darunter ein Polizist. Ein Angreifer wurde von Polizisten erschossen. Bei ihm handele es sich um einen IS-Anhänger, sagte Innenminister Nehammer am Dienstagmorgen. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerlichen Terroranschlag".

Unklar blieb zunächst, ob es sich um einen Einzeltäter handelte oder es Mittäter gab. Hunderte Polizisten fahndeten nach möglichen Komplizen. 

Der erschossene Angreifer war mit einem automatischen Sturmgewehr, einer Pistole und einer Machete bewaffnet. Laut Innenminister Nehammer trug er zudem eine Sprengstoffgürtel-Attrappe. 

Die Tatorte befanden sich in der Wiener Innenstadt in der Nähe der Hauptsynagoge und der Staatsoper. Zum Zeitpunkt des Anschlags gegen 20.00 Uhr waren bei mildem Wetter und kurz vor dem Beginn einer neuen Corona-Ausgangssperre zahlreiche Menschen auf den Straßen. 

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, erklärte im Onlinedienst Twitter, es sei noch unklar, ob die Synagoge Ziel des Anschlags gewesen sei. Der Anschlag erfolgte kurz nach zwei mutmaßlich islamistisch motivierten Angriffen in Frankreich.

Die Einwohner Wiens wurden aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Schulkinder mussten am Dienstagmorgen nicht zum Unterricht kommen. Polizisten und Soldaten schützten wichtige Gebäude der Hauptstadt. 

"Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen", betonte Kanzler Kurz. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen erklärte: "Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen." Innenminister Nehammer sprach von einem "völlig untauglichen Versuch, unsere demokratische Gesellschaft zu erschüttern". Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Österreich ihr Mitgefühl aus und betonte, "der Kampf gegen den islamistischen Terror ist unser gemeinsamer Kampf". "Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll", erklärte das Auswärtige Amt. Die Bundespolizei erklärte, an der deutsch-österreichischen Grenze werde mit erhöhter Wachsamkeit kontrolliert. 

Die EU verurteilte den "feigen" Angriff. Ratspräsident Charles Michel erklärte im Onlinedienst Twitter, die Tat habe sich gegen "das Leben und unsere menschlichen Werte" gerichtet. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen twitterte, Europa stehe "in voller Solidarität an Österreichs Seite".

gt/mkü