Inhaftierter Audi-Manager Hatz legt Verfassungsbeschwerde ein

Wolfgang Hatz sitzt als Beschuldigter im Dieselskandal in U-Haft. Jetzt kämpft er vor dem Bundesverfassungsgericht um seine Freilassung.


Der 28. September 2017 war ein schwarzer Tag für Wolfgang Hatz. Es war der Tag, an dem die Ermittler dem ehemaligen Top-Manager aus dem VW-Konzern einen Haftbefehl präsentierten.

Seit mehr als einem halben Jahr sitzt Hatz nun in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II führt ihn in den Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug und strafbarer Werbung bei der VW-Tochter Audi als einen der Beschuldigten im Dieselskandal. Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr nahmen die Ermittler Hatz in Untersuchungshaft.

Seit Monaten schon kämpft der Ingenieur um seine Freilassung. Wie zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, hat Hatz nun mit dem Bundesverfassungsgericht die höchste juristische Instanz in Deutschland angerufen, um die U-Haft zu beenden.

In Karlsruhe macht Hatz dem Bericht zufolge geltend, dass die Justiz seinen grundgesetzlich garantierten Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat. Zuvor war Hatz bereits vor dem Landgericht München I und dem Oberlandesgericht München mit seinem Begehren auf Freilassung gescheitert. Hatz’ Anwalt reagierte bisher nicht auf eine Anfrage.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte den Vorgang. „Eine Verfassungsbeschwerde eines Automobilmanagers mit Bezug zu seiner Untersuchungshaft liegt hier vor“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Den Namen des Beschwerdeführers könne man allerdings nicht nennen.


Es ist aber bekannt, dass im Audi-Ermittlungskomplex Wolfgang Hatz die einzige inhaftierte Person ist. Der ebenfalls Beschuldigte ehemalige Audi-Ingenieur Giovanni Pamio ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Er soll Hatz mit seinen Aussagen belastet haben.

Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Konzern kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals Ende 2015 war Hatz Forschungs- und Entwicklungsvorstand bei Porsche sowie Leiter der Aggregateentwicklung des Volkswagen-Konzerns. Der Betrugsverdacht bezieht sich aber auf Hatz’ Zeit bei Audi, wo er lange Jahre als Chef der Aggregateentwicklung wirkte.

In seiner Zeit wurde auch der Dieselmotor entwickelt, in dem die Betrugssoftware verbaut wurde. In den Vereinigten Staaten hat der VW-Konzern seine Vergehen auch für Audi bereits eingeräumt. In Deutschland haben die Staatsanwälte die Ermittlungen noch lange nicht abgeschlossen – es gilt die Unschuldsvermutung.