Inhaftierte Unabhängigkeitsbefürworter nach Katalonien verlegt

Unabhängigkeitsbefürworter vor Gefängnis in Katalonien

Sechs der neun inhaftierten Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung sind in Gefängnisse nach Katalonien überstellt worden. Vier Gefangene, darunter der ehemalige Vize-Regionalpräsident Oriol Junqueras, kamen in das Gefängnis Lledoners nördlich von Barcelona, wie eine Sprecherin des katalanischen Justizministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte. Zwei Unabhängigkeitsvertreterinnen wurden am Nachmittag aus der Untersuchungshaft nahe Madrid in eine andere katalanische Haftanstalt verlegt. Am Montag hatte die Zentralregierung die Verlegung der Politiker und Aktivisten verkündet - als Zeichen des guten Willens.

Zu den vier Unabhängigkeitsanführern in Lledoners zählen auch die Aktivisten Jordi Cuixart und Jordi Sánchez. Die anderen beiden weiblichen Häftlinge, darunter die frühere Präsidentin des katalanischen Parlaments, Carme Forcadell, wurden in eine Haftanstalt bei Figueras 140 Kilometer nordöstlich von Barcelona verlegt.

Die spanische Justiz geht gegen insgesamt neun hochrangige Politiker und Aktivisten wegen ihres Einsatzes für die Abspaltung Kataloniens von Spanien vor - die drei weiteren Gefangenen sollen nächste Woche nach Katalonien gebracht werden. Die Häftlinge werden von vielen Unabhängigkeitsbefürwortern als politische Gefangene angesehen. "Heute sind sie zwar näher bei uns, aber sie sind nicht da, wo sie sein sollen - auf der Straße", sagte Regionalpräsident Quim Torra. Am Mittwoch waren Proteste vor den Gefängnissen geplant.

Vor seinem Sturz als Ministerpräsident Anfang Juni war der konservative Mariano Rajoy hart gegen Kataloniens Unabhängigkeitsbestrebungen vorgegangen. Dagegen kündigte Spaniens neuer Regierungschef, der Sozialist Pedro Sánchez, an, er werde die inhaftierten Katalanen in ihre Heimat bringen. Die rechtsgerichtete Opposition warf Sánchez deshalb vor, gegenüber den Unabhängigkeitsbefürwortern klein beizugeben.

Dem früheren Regionalpräsidenten Kataloniens, Carles Puigdemont, wirft die spanische Justiz Rebellion sowie die Veruntreuung öffentlicher Gelder vor. Er floh im Oktober nach Belgien und wurde im März auf Grundlage eines von Spanien erwirkten europäischen Haftbefehls auf der Durchreise in Schleswig-Holstein festgenommen. Die spanischen Behörden verlangen seine Überstellung.

Im Streit um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens hatte Puigdemont im Oktober das umstrittene Referendum organisiert, obwohl die Abstimmung von der spanischen Justiz als illegal eingestuft worden war. Nach der Abstimmung rief die Regionalregierung einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens aus und wurde daraufhin von der spanischen Zentralregierung unter Rajoy abgesetzt.