Influencer-Lizenz vom Scheich: So lassen sich deutsche Influencer vom autoritär regierten Dubai kaufen

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Immer wieder machen deutschen Influencer in Dubai von sich reden. Ihnen wird unterstellt, sich vom autoritär regierten Dubai kaufen zu lassen und dafür das Image des Emirats aufzupolieren.

Denn Influencer müssen, wenn sie nach Dubai ziehen, eine Influencer-Lizenz erwerben. Diese kostet laut einer Regierungs-Website der Vereinigten Arabischen Emirate etwa 3.500 Euro im Jahr. Damit verpflichten sie sich, das Emirat positiv auf ihren Social-Media-Kanälen zu repräsentieren. Zudem müssen sie sich an die strengen sozialen Normen des Emirats halten. Im Gegenzug erhalten die Influencer viele Möglichkeiten für Werbekooperationen, auch mit staatlichen Stellen, so die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Zudem sparen sie Steuern. Denn Gewerbe- und Einkommensteuern gibt es in Dubai nicht.

Das Geld zieht die Influencer nach Dubai

Simon Desue lebt seit mehr als einem Jahr in Dubai und ist mit zwei Millionen Followern auf Instagram und vier Millionen Abonnenten auf Youtube von Beruf vor allem Influencer, berichtet die „FAZ“. Daniel van Kampen, der Manager von Desue, gibt gegenüber der „FAZ“ zu, dass vor allem die niedrigeren Steuern Grund für viele Influencer sei, nach Dubai zu ziehen. Und er ist sich sicher, dass die meisten Menschen ähnlich handeln würden: „99 Prozent der Leute würden ja sagen. Jetzt stellen sie sich hin und zeigen mit dem Finger auf einen: Dabei würden sie das Gleiche tun“, so van Kampen gegenüber der „FAZ“.

Doch Dubai steht zurzeit vor allem wegen eines anderen Vorwurfes in der Kritik: Die Tochter von Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum soll gegen ihren Willen festgehalten werden. Der Scheich ist der Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate. Mitte Februar wurde ein Video öffentlich, welches Prinzessin Latifa heimlich aufgenommen hat. Darin beschuldigt sie ihren Vater, sie einzusperren. Sie habe Angst um ihr Leben.

Doch was bedeutet ein solch schwerwiegender Vorwurf für die Influencer, die ein solches Land auf ihren Social-Media-Kanälen repräsentieren? Laut van Kampen haben sich die Influencer mit der politischen Situation des Landes nicht beschäftigt. „Keiner der Influencer wird sich damit auseinandergesetzt haben, ob dort ein Scheich seine Tochter einsperrt“, so van Kampen gegenüber der „FAZ“.

Philip Papendieck, Geschäftsführer der Influencer-Agentur Intermate, sieht die Situation hingegen kritischer. „Das unreflektierte Promoten von Staaten durch Influencer ist sehr kritisch zu betrachten“, sagt Papendieck gegenüber der „FAZ“. „Mit deiner Stimme trägst du bei so vielen Followern auch eine große Verantwortung.“ Desue selbst lasse die Debatte kalt, so die „FAZ“. „Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Presse auf ihn stürzt.“ Für Desues Manager ist klar: „Auch schlechte Publicity ist am Ende gute Publicity.“

sf

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