Inflationsrate in Deutschland springt 2022 auf historischen Rekord – Soforthilfe drückt die Teuerung im Dezember auf 8,6 Prozent

Im Dezember 2022 gab es laut Statistischem Bundesamt etwas Entspannung bei den Verbraucherpreisen. - Copyright: Patricia Huchot-Boissier/ABACAPRESS.COM
Im Dezember 2022 gab es laut Statistischem Bundesamt etwas Entspannung bei den Verbraucherpreisen. - Copyright: Patricia Huchot-Boissier/ABACAPRESS.COM

Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember deutlich von 10,0 auf 8,6 Prozent gesunken. Im gesamten Jahr 2022 stiegen die Preise mit einer Jahresrate von 7,9 Prozent aber so stark wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit diesen Zahlen bestätigte das Statistische Bundesamt am Dienstag seine erste Schätzung.

Im Dezember ist die Teuerung seit ihrem Höchststand bei 10,4 Prozent im Oktober damit den zweiten Monat in Folge gesunken.

Im Vergleich November gaben die Preise um 0,8 Prozent nach. Wesentlicher Grund war die „Dezember-Nothilfe“ des Staates als erster Teil der „Preisbremsen“. Der Staat übernahm für die Verbraucher die Abschlagszahlungen für Gas und Fernwärme. Dadurch gingen die Ausgaben für Erdgas und Fernwärme jeweils um fast 40 Prozent zurück. Fernwärme kostete sogar 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch andere Energiepreise gaben im Monatsvergleich nach. Heizöl wurde um 12,1 Prozent billiger, Benzin und Diesel um 8,9 Prozent.

Energiepreise treiben Jahresteuerung auf Rekord

Im gesamten Jahr 2022 betrug die Inflationsrate in Deutschland 7,9 Prozent. Dies ist der höchste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die bisherige Rekordmarke stammte aus dem Jahr 1951, als die Inflationsrate infolge des Korea-Krieges 7,8 Prozent betragen hatte. Im Zuge der Ölkrise waren die Preise 1973 um 7,1 Prozent gestiegen.

„Die historisch hohe Jahresteuerungsrate wurde vor allem von den extremen Preisanstiegen für Energieprodukte und Nahrungsmittel seit Beginn des Kriegs in der Ukraine getrieben“, sagte die neue Präsidentin der Statistikbehörde, Ruth Brandt. Ohne die starken Preissteigerungen für Energie hätte die Jahresteuerung nur bei 4,9 Prozent gelegen.

Energieprodukte verteuerten sich 2022 um 34,7 Prozent, nachdem sie bereits 2021 um rund zehn Prozent teurer geworden waren. Besonders deutlich stiegen die Preise für leichtes Heizöl (plus 87,0 Prozent) und Erdgas (plus 64,8 Prozent). Strom kostete im Mittel 20,1 Prozent mehr. Kraftstoffe verteuerten sich im Jahresdurchschnitt um 26,8 Prozent. Nahrungsmittel wurden 2022 über das Jahr um gut 13 Prozent teurer.

Kernrate der Inflation nun schon bei 5,2 Prozent

Die Kernrate der Inflation, das ist die Preissteigerung ohne die häufig stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel, lag im gesamten Jahr 2022 bei vier Prozent. Sie zeigt an, wie stark die Inflation sich bereits in der gesamten Wirtschaft ausgebreitet hat. Im Dezember lag diese Kernrate bereits bei 5,2 Prozent.

Als Richtwert für die Stabilität strebt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Rate von zwei Prozent an. Bereits 2021, also vor dem Ukraine-Krieg, waren die Preise im Jahresmittel mit 3,1 Prozent deutlich zu stark gestiegen.

In der leicht abweichenden Berechnung der Teuerung auf europäischer Ebene betrug die Inflationsrate in Deutschland im Dezember 9,6 Prozent, nach 11,3 Prozent im November. Im gesamten Jahr 2022 betrug die Inflationsrate in dieser Rechnung 8,7 Prozent.

Dieser „harmonisierte Verbraucherpreisindex“ macht die Inflation in den Ländern Europas vergleichbar. Er ist maßgeblich für die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank. Die EZB berät das nächste Mal am 2. Februar über die Leitzinsen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Zentralbank die Zinsen ein weiteres Mal anheben wird.

Zuletzt hatte die EZB das Tempo ihrer Zinsschritte kurz vor Weihnachten etwas gebremst. Für ihr Ziel der Preisstabilität strebt die EZB eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Vor der Zinsentscheidung veröffentlichen die Statistiker noch die Inflationszahlen für den gesamten Euro-Raum im Dezember und auch im Januar.