Indycar: Pagenaud gibt sich reumütig

Alles gut, zumindest an der Oberfläche: Josef Newgarden und Simon Pagenaud


Die Emotionen schlugen beim IndyCar-Rennen in Madison in der Nähe von St. Louis hoch: Simon Pagenaud hatte klargestellt, dass er jeden Respekt vor Josef Newgarden verloren habe, nachdem dieser ihn im Schlussstint mit einem harschen Manöver inklusive Bodycheck überrumpelt hatte. Newgarden legte anschließend noch einmal nach, indem er klarstellte, dass er mit seinem französischen Teamkollegen auch in Zukunft nicht anders umgehen werde.

Knapp eine Woche später sind die Worte schon wieder ganz andere. "Ich denke nicht, dass wir ein Problem miteinander haben", sagt der Tabellenführer in Watkins Glen. "Ich sehe Simon ziemlich häufig. Simon, Will (Power) und ich leben alle in der Nähe der Penske-Hallen und sehen uns daher vor und nach den Rennwochenenden immer wieder. Wir haben bereits miteinander gesprochen." Was genau in den heiligen Penske-Büros zwischen ihm und Pagenaud besprochen wurde, sagt er nicht.

Doch es lässt sich herauslesen, dass es einen ziemlichen Einlauf für den Franzosen gegeben haben muss. Dieser zeigt sich nämlich im Fahrerlager von "The Glen" gänzlich reumütig: "Es ist selten, dass ich die Emotionen mit mir durchgehen lasse, aber hier ist es passiert. Ich habe das Rennen verloren, was sehr enttäuschend war. Ich bin von meinen Emotionen danach selbst enttäuscht. Es ist nicht gut für die Jungs im Team, wenn man sich als amtierender Meister so aufführt. Es ging nicht um die Aktion auf der Strecke, sondern die Enttäuschung. Josef und ich haben miteinander gesprochen und alles ist gut."

Hinchcliffe kritisiert Newgarden-Manöver

Newgarden wiederum spricht vom amtierenden Meister in höchsten Tönen: "Er ist professioneller Rennfahrer. Deshalb ist es leicht, mit ihm klarzukommen. Wir werden zusammenarbeiten, wie wir es immer getan haben. Selbst, wenn es von außen manchmal wie eine Show aussehen mag, arbeiten wir gut zusammen. Das läuft von der Teamführung bis nach unten. Also, alles gut."

Was er sich problemlos leisten kann, schließlich hat er auf ganzer Linie triumphiert. Nicht nur ist er mit seinem Manöver durchgekommen, ohne dass es Konsequenzen gibt - weder von IndyCar noch vom Team. Sondern er hat es auch noch so weit gebracht, dass sich der Geschlagene für sein Verhalten entschuldigen muss. Da wird sich Newgarden auch von der Kritik von James Hinchcliffe nicht beeindrucken lassen, der das Manöver lieber sein gelassen hätte: "Wenn man die externen Faktoren in Betracht zieht, war es echt riskant. Er hat die Meisterschaft schon angeführt und kämpfte nicht einmal gegen den Zweitplatzierten. Seine Tabellenführung wäre ohnehin angewachsen."

Und was ist aus der Ansage geworden, er werde ohne Rücksicht auf Verluste weiterfahren? "Gute Frage, das weiß ich gar nicht", lacht Newgarden. Schließlich übernimmt er die Übersetzung aus dem Penske-Corporate doch noch selbst: "Ich denke, am sichersten ist es, wenn wir so weitermachen wie bisher." Allerdings mit der Einschränkung, dass er sehr wohl Scott Dixon nicht innerhalb von 23 Punkte kommen lassen möchte - das würde nämlich bedeuten, dass der Ganassi-Pilot aus eigener Kraft in Sonoma mit allen Bonuspunkten Meister werden könnte.

Auf der Watkins Glen International konnte er sich als bester Chevrolet-Pilot auf der dritten Position qualifizieren - mit 0,0001 Sekunden, also ein Zehntausendstelsekunde Rückstand auf Dixon. Pagenaud hingegen blieb wie auch Will Power mit seinem Penske-Chevy überraschend in Q2 stecken und startet nur von der zwölften Position.

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