IndyCar plant 900-PS-Motoren

Die IndyCar-Motoren sollen ab 2020 deutlich mehr Leistung erbringen


Will Powers Ruf nach mehr Leistung wurde erhört: IndyCar-Rennchef Jay Frye will 100 bis 150 PS mehr aus den 2,2-Liter-V6-Turbomotoren sehen. Dazu hat er bereits eine Anfrage an die beteiligten Hersteller Chevrolet und Honda versendet, was getan werden müsse, um dieses Ziel zu erreichen. Sollte es ohne zu großen Aufwand möglich sein, könnten die stärkeren Motoren schon zur IndyCar-Saison 2020 eingeführt werden. Das wäre auch die Gelegenheit für interessierte Hersteller, den Einstieg zu wagen.

"Mehr Leistung ist unser nächstes Ziel", sagt Frye gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Wir werden dabei mit derselben Herangehensweise arbeiten wie beim Auto selbst." IndyCar wird also auch beim Motor den Weg des "reverse engineerings" gehen. Statt Eckpunkte im Reglement vorzugeben, aus dem die Teilnehmer dann das Bestmögliche machen müssen, wird ein Ziel ausgegeben und nach Wegen gesucht, dieses zu erreichen. Genauso machte es IndyCar schon beim neuen, universellen Aerokit: Erst kam die Ästhetik, dann die Performance.

In den vergangenen Jahren wurde mit dem Aerodynamik-Wettbewerb ein Trend verfolgt, der die IndyCars mehr in Richtung Formel 1 bracht: Höhere Kurvengeschwindigkeiten, weniger Topspeed. Viele Fahrer klagten, dass der enorme Abtrieb der Hersteller-Aerokits zu einem Stakkato-Fahren führte: Vollgas oder kein Gas. Zahlreiche Streckenrekorde wurden so gebrochen, das Racing aber litt. Mit dem neuen Aerokit wurde davon Abstand genommen: Weniger Abtrieb und weniger Luftwiderstand fordern den Fahrer mehr. Will Power und Scott Dixon ging diese Maßnahme vor allem auf Kurzovalen noch nicht weit genug. Sie wollen mehr PS.

"Wir haben in Honda und Chevrolet tolle Partner", sagt Jay Frye weiter. "Wir haben sie gefragt: 'Was müssen wir tun, um 100 bis 150 PS mehr zu bekommen?' Sie kommen dann mit ihren Listen zurück. Wir schauen, worin sich beide einig sind und überlegen dann, ob uns das dorthin bringt, wo wir sein müssen. Diesen Prozess haben wir schon hinter uns, weil wir immer drei Jahre im Voraus arbeiten." Details, wie die Antworten aussahen, gibt er nicht preis. Fest steht nur: Ein Hybridantrieb steht vorerst nicht zur Debatte.

Mehr Leistung zu generieren ist nicht das Problem: Der Ladedruck der V6-Aggregate von 1,5 bar auf Rund- und Straßenkursen (1,65 bar unter "Push-to-Pass"), 1,4 auf Kurzovalen und 1,3 auf Superspeedways ist vergleichsweise niedrig für einen Rennmotor, es gäbe also Luft nach oben. Allerdings würde das zu höheren Belastungen physischer und thermischer Art führen - hier beginnen die teuren Maßnahmen vor allem im Hinblick auf Langlebigkeit. Derzeitige IndyCar-Motoren sind auf eine Laufleistung von 4.000 Kilometern ausgelegt.

Sollten die stärkeren Motoren noch 2020 kommen, wäre sicher, dass der Dallara IR-12 (ehemals DW12) noch bis einschließlich 2021 zum Einsatz kommen wird. Dieser wurde mit der neuen Optik einer Generalüberholung unterzogen. Das neue Chassis wird der nächste große Diskussionspunkt auf der Agenda der derzeitigen IndyCar-Führung rund um Mark Miles und Jay Frye, die sich im Fahrerlager großer Beliebtheit erfreut. Die Planungen sollen diesem Sommer beginnen.

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