IndyCar-Champion Newgarden: "Es war eine verrückte Reise"

Penske-Pilot Josef Newgarden ist der neue IndyCar-Champion


Mit Josef Newgarden hat der US-Motorsport ein neues Aushängeschild. Der 26-Jährige aus dem Bundesstaat Tennesse gewann in seinem ersten Anlauf mit dem Traditionsrennstall von Roger Penske die IndyCar-Meisterschaft. Er ist der erste US-Champion seit Ryan Hunter-Reay (2012) und erst der dritte US-Amerikaner nach Sam Hornish jun., der in diesem Jahrtausend die höchste Formelklasse in den Vereinigten Staaten gewinnen konnte.

Beim Saisonfinale in Sonoma sicherte sich Newgarden den Zusatzpunkt für die Pole-Position. Im Rennen musste er sich seinem Teamkollegen Simon Pagenaud beugen. Trotzdem ist er am Ziel seiner Träume angelangt. "Ich weiß nicht, ob man das jemals vorhersehen kann. Manche Jungs haben Glück, in diesem Sport zu sein. Und es braucht 20 Jahre, um etwas zu erreichen. Bei anderen passiert es schon in ein, zwei Jahren. Ich wusste nicht, wie es für mich ausgehen würde."

Penske engagiert Fahrer, denen er zutraut Rennen und Meisterschaften gewinnen zu können. Der "Captain" wollte Newgarden und setzte dafür Juan-Pablo Montoya vor die Türe. Newgarden nahm die Chance an, übersiedelte nach Charlotte und musste sich nun mit mehreren starken Teamkollegen auseinandersetzen. Der Druck war von Beginn an vorhanden. Abgesehen vom Crash in Watkins Glen hielt er ihm letztendlich stand.

"Ich stimme zu, dass dieses Jahr meine größte Chance war. Man hat Champions um sich herum und ein Team, das dich jede Woche antreibt, damit du das Beste aus dir herausholst. Man muss das auch umsetzen. Mir wurde die beste Möglichkeit geboten, zu wachsen und mich selbst in diesem Umfeld zu beweisen. Es hat Spaß gemacht und war auch eine Herausforderung." Vier Siege feierte Newgarden auf dem Weg zum Titel. Vor allem seine starke zweite Saisonhälfte machte den Unterschied.

Kurzer, erfolgloser Ausflug nach Europa

Newgarden begann seine Karriere ganz klassisch mit den Skip-Barber-Rennserien in Nordamerika. 2009 wagte er einen Abstecher nach Europa und fuhr in kleineren Formel-Serien. International machte er erstmals 2010 mit einer Saison in der GP3 auf sich aufmerksam. Newgarden blieb für Carlin allerdings sieglos und beendete das Jahr, in dem Esteban Gutierrez Meister wurde, nur auf Platz 18. Newgarden ging zurück in die USA und gewann auf Anhieb die IndyLights-Serie. Das löste das Ticket für die IndyCar-Meisterschaft.

"Es war eine verrückte Reise", blickt der neue Champion zurück. "Viele Leute haben mir auf meinem Weg geholfen. Es begann mit Karts, dem Ausflug nach Europa, meiner Rückkehr, dann der ersten IndyCar-Chance und jetzt bin ich hier mit Penske. Es war eine verrückte Reise. Es ist so cool, dass ich das machen darf und ich bin auf alle involvierten Personen stolz. Ich habe immer davon geträumt und gehofft, dass ich eine erfolgreiche Karriere habe und gut bin. Man weiß aber nie, wie es sich entwickeln wird."

Ex-Rennfahrerin Sarah Fisher holte Newgarden in die IndyCar-Serie. Das Team verschmolz schließlich mit dem Rennstall von Ed Carpenter. Es waren fünf Jahre mit Höhen und Tiefen. Newgarden eroberte mehrere Podestplätze und 2015 auch seine ersten beiden Siege. Konstante Spitzenergebnisse gegen die starken Teams Penske, Ganassi und Andretti blieben aber aus. Im Rückblick war es für Newgarden eine prägende Zeit.

Nicht mehr an Penske-Chance geglaubt

"Ich hatte auch schon in der Vergangenheit meine Chance. Für mich war es von Vorteil, als Ein-Wagen-Team zu beginnen und alles selbst herausfinden zu müssen. Ich glaube, das hat mir meine Stärke gebracht. Die beste Situation war es aber nicht. Ich liebte es, für dieses Team zu fahren, aber wir standen oft mit dem Rücken zur Wand. Wir waren ein neues Team mit einem neuen Auto. Es gab keine alten Set-ups, keine Daten. Wir mussten alles selbst machen. Ich glaube, diese Momente haben mich darauf vorbereitet, mit Penske zu diesem Punkt zu gelangen."

Die Hoffnung auf ein Cockpit bei einem Topteam hatte Newgarden fast schon aufgegeben, wie er im Rückblick zugibt: "Je mehr Jahre verstrichen, desto weniger glaubte ich daran, dass ich von einem Team wie Penske engagiert werde. Ich dachte nicht, dass das jemals passieren wird. Es hatte den Anschein, dass sie nicht wollten, dass ich ein Teil ihres Teams werde. Zu einem gewissen Grad war das für mich in Ordnung, weil ich mit guten Leuten zusammenarbeitete und wir Erfolg hatten. Nach einem Jahr mit Penske kann ich aber sagen, was für eine fantastische Gruppe sie sind."

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