Indischer Architekt Balkrishna Doshi gewinnt Pritzker-Preis

Pritzker-Presiträger Balkrishna Doshi (mit Brille)

Der renommierte Pritzker-Preis für Architektur ist am Mittwoch dem 90-jährigen Balkrishna Doshi zugesprochen worden. Er ist der erste indische Preisträger - und der älteste. Doshis kostengünstige Bauten seien der "orientalischen Kultur" verpflichtet und trügen zugleich dazu bei, "die Lebensqualität in Indien zu verbessern", urteilte die Jury. In einer Danksagung verglich Doshi die Architektur mit einer Symphonie. Dazu gehöre "jedes Objekt ums uns herum, und die Natur selbst".

Doshi ist ein Schüler des 1965 gestorbenen schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier. Seine modernistische Bauweise kontrastiert mit der traditionellen indischen Architektur, bezieht aber Elemente der überlieferten Kultur des Landes ein.

Bekannt sind die von Doshi in den 1980er Jahren geschaffenen Aranya-Sozialwohnungen in Indore im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. In dem durch Wege verbundenen Labyrinth aus Häusern und Höfen leben heute etwa 80.000 Menschen. Doshis innovative Architektur und Städteplanung bezieht der Jury zufolge im Bestreben nach Harmonie auch Klima und Umwelt mit ein.

Sein Architekturstudium nahm Doshi 1947 auf, dem Jahr der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien. Außer mit Le Corbusier arbeitete Doshi auch mit dem 1974 gestorbenen US-Architekten und Hochschullehrer Louis Kahn zusammen.

Der Pritzker-Preis hat den Rang eines Nobelpreises der Architektur erlangt. Zusätzlich zu einer Bronzemedaille erhalten die Gewinner ein Preisgeld von 100.000 Dollar (80.600 Euro). Doshi ist der 45. Preisträger der seit 1979 von der US-Stiftung Hyatt verliehenen Pritzker-Auszeichnung. Die Pritzker-Familie gründete in den 1950er Jahren die Hyatt-Gruppe, heute eine der größten Hotelketten der Welt. Zu den bisherigen Pritzker-Preisträgern gehören der japanische Architekt Shigeru Ban, der US-Architekt chinesischer Herkunft Ieoh Ming Pei, der Deutsche Gottfried Böhm, der Italiener Renzo Piano und der Brasilianer Oscar Niemeyer.