In Indiens Kongress-Partei zeichnet sich dynastischer Führungswechsel ab

Mutter und Sohn Gandhi

In der traditionsreichen Kongress-Partei in Indien zeichnet sich eine Fortführung der Gandhi-Dynastie ab. Die Partei kündigte am Montag in Neu Delhi für kommenden Monat eine Neuwahl ihrer Führungsspitze an. Die Ankündigung löste Spekulationen aus, dass die 70-jährige Parteichefin Sonia Gandhi den Posten an ihren Sohn Rahul Gandhi abgibt - er wäre dann in vierter Generation Führer der Kongress-Partei, die Indiens Politik nach der Unabhängigkeit 1947 jahrzehntelang dominiert hatte.

Zu möglichen Kandidaten äußerte sich die Partei, die derzeit in der Opposition ist, am Montag zunächst nicht. Interessenten für den Chefposten wurden aufgefordert, bis zum 4. Dezember ihre Kandidatur anzumelden. Die eigentliche Wahl solle dann am 16. Dezember stattfinden. Zuletzt hatte die Partei 2010 ihre Spitze neu gewählt.

Rahul Gandhi gilt seit längerem als Kronprinz in der Kongress-Partei und als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge seiner Mutter an der Parteispitze. Neben seiner Mutter hatten bereits sein Vater, seine Großmutter und sein Urgroßvater den Parteivorsitz inne; die letztgenannten drei waren auch indische Premierminister.

Rahul Gandhi ist in der Partei nicht unumstritten. Ihm Wahlkampf 2014 wurde ihm mangelnder Einsatz vorgeworfen, auch sonst setzt der 47-Jährige selten politische Akzente. Allerdings wagen in der Kongress-Partei nur wenige, die mächtige Gandhi-Familie offen zu kritisieren. Rahul Gandhi habe "früher manchmal Fehler gemacht", sagte der Kongress-Spitzenpolitiker Virbhadra Singh zu AFP. "Inzwischen ist er aber gereift."