Indiens Kongress-Partei steht vor dynastischem Führungswechsel

Mutter und Sohn Gandhi

In Indiens traditionsreicher Kongress-Partei bahnt sich eine Fortführung der Gandhi-Dynastie ab. Die Bewerbungsfrist für den Posten des künftigen Parteivorsitzenden lief am Montag aus, ohne dass sich ein Gegenkandidat zu Rahul Gandhi gemeldet hätte. Damit gilt als sicher, dass der 47-Jährige die Nachfolge seiner Mutter Sonia Gandhi antritt, die die Partei 19 Jahre lang geführt hatte.

Rahul Gandhi wäre in vierter Generation Führer der Kongress-Partei, die Indiens Politik nach der Unabhängigkeit 1947 jahrzehntelang dominiert hatte. Seine offizielle Kür soll erst Mitte Dezember erfolgen. Führende Kongress-Politiker gratulierten ihm aber bereits am Montag zur neuen Rolle. Rahul Gandhi werde "die große Tradition der Kongress-Partei fortführen", erklärte Manmohan Singh, der letzte von der Kongress-Partei gestellte Premierminister.

Rahul Gandhi galt seit längerem als Kronprinz in der Kongress-Partei. Neben seiner Mutter hatten bereits sein Vater, seine Großmutter und sein Urgroßvater den Parteivorsitz inne; die letztgenannten drei waren auch indische Premierminister.

Rahul Gandhi ist in der Partei nicht unumstritten. Ihm Wahlkampf 2014 wurde ihm mangelnder Einsatz vorgeworfen, auch sonst setzt er selten politische Akzente. Allerdings wagen in der Kongress-Partei nur wenige, die mächtige Gandhi-Familie offen zu kritisieren.