Wie Indien Deutschlands Cricket klein hält

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Wie Indien Deutschlands Cricket klein hält
Wie Indien Deutschlands Cricket klein hält

Auftakt der Europameisterschaft (vom 8. bis 15. Oktober) und es geht direkt gegen Italien und England!

Was jedem Fußball-Fan entweder Freudentränen in die Augen oder den Angstschweiß auf die Stirn treiben würde, wird bei der European Cricket Championship ECC im spanischen Malaga zur Realität - und beide Spiele finden auch noch am selben Tag statt. (BERICHT: So sehen Sie die Cricket-EM)

Neben Italien (Montag, 27. September, LIVE ab 08.55 Uhr auf SPORT1+) und England (LIVE ab 12.55 Uhr auf SPORT1+) geht es in der Gruppe C auch noch gegen Finnland und Tschechien und Deutschland darf sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf einen der ersten beiden Plätze und die damit verbundene Qualifikation für die K.o.-Runde machen.

Erst im August triumphierte das deutsche Team in der T20-Tri-Nations Series in Krefeld und setzte sich dabei gegen Frankreich und Norwegen durch. Selbst eine Qualifikation für eine Weltmeisterschaft ist beim einstigen Cricket-Exoten Deutschland kein ferner Wunschtraum mehr.

Deutschlands Cricket hofft auf den nächsten Schritt

„Ich bin hoffnungsvoll. Nichts ist unmöglich, auch wenn es sehr schwer wird“, zeigte sich Deutschlands Kapitän Venkatraman Ganesan zuversichtlich und fügte hinzu: „Wir haben ein gutes Team. Aber erst einmal müssen wir den ersten Schritt machen.“

Der nächste Schritt würde sich nun bei der ECC anbieten, auch wenn Ganesan, der seit 2017 für Deutschland aufläuft, nicht am Start ist. Aber er wird durch Harmanjot „Rohit“ Singh würdig vertreten werden. Die beiden stehen stellvertretend für den langsam aufkommenden Erfolg des deutschen Cricket.

Vor allem Menschen aus Cricket-affinen Ländern wie Indien, Pakistan oder Afghanistan brachten die Begeisterung für ihren Nationalsport mit nach Deutschland. Allein in den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Cricket-Spieler in Deutschland sprunghaft auf 7.000 angestiegen, die in über 300 Vereinen aktiv sind.

Auch in der T20-Weltrangliste - T20 ist eine vereinfachte Spielform, die verkürzte Spiele ermöglicht - kletterte das deutsche Team dank der Neuankömmlinge auf Position 31.

Cricket bleibt weiter eine Nischensportart in Deutschland

Doch bei allem Erfolg, es bleibt ein Problem: Cricket schafft es noch nicht, die einheimische Bevölkerung zu begeistern. Zwar zeigt der Deutsche Cricket Bund alle Spiele im Livestream und hat ordentliche Zuschauerzahlen zu vermelden, die kommen aber nicht aus Deutschland, sondern zumeist aus Indien.

„Es sind wahrscheinlich vier bis fünf Millionen, die die Spiele schauen“, berichtete Siegfried Franz, Präsident des Deutschen Cricket Bunds, bei Politico und erklärte die Zahlen: „Aber nicht aus Deutschland, sondern Indien. Während Corona gab es dort kein Cricket, aber wir durften hier spielen.“

Die Cricket-Begeisterung in Indien hat also auch während Corona nicht abgenommen. Dennoch ist gerade Indien, eine der größten Cricket-Nationen überhaupt, auch das größte Hemmnis für die Entwicklung ihres Nationalsports in Deutschland.

Indien verhindert Aufnahme ins olympische Programm

Um die nach Fußball wohl zweitbeliebteste Sportart der Welt auch in Deutschland aus seinem Nischendasein zu holen, wäre eine Aufnahme in das olympische Programm vonnöten. Nur so könne man das Profil des Sports schärfen, zusätzliche Finanzmittel generieren und die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit bekommen, ist sich Franz der Problematik bewusst.

Doch genau dies scheint momentan in weiter Ferne und ausgerechnet Indien soll daran schuld sein. Seit Jahren behindert das Board of Control for Cricket in India, der nationale Dachverband, die Bewerbung seiner Sportart für Olympia. Grund dafür soll ein Machtkampf zwischen dem Cricket-Verband und dem nationalen olympischen Komitee Indiens sein.

Das Board soll nicht mit der Abgabe von Kompetenzen an das indische NOK einverstanden sein. Neben der Kalenderplanung wolle man vor allem keine Befugnisse an dessen Anti-Doping-Agentur abgeben.

Ironischerweise bekam Indien lange Zeit Unterstützung von England. Das Cricket-Mutterland wehrte sich gegen die Bewerbung, da die Olympischen Spiele den Spielplan der Nationalmannschaft beeinflussen würden. Selbst eine Entschädigungsforderung von 160 Millionen Dollar war im Gespräch.

Indien fördert und behindert die Entwicklung in Deutschland

Damit dreht sich Deutschlands Cricket-Szene aber im Kreis. Indien verhindert durch die Aufnahme ins olympische Programm die Weiterentwicklung seines Nationalsports in Deutschland. Denn nur Sportarten, die Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes sind, werden auch von der Regierung gefördert.

Somit bleibt der nationale Verband von der Hilfe des International Cricket Councils (ICC) abhängig, der seinerseits wieder zum großen Teil von seinen Einnahmen aus Indien finanziert wird.

„Ohne die Hilfe des ICC ist das nicht möglich, und ohne die Hilfe Indiens auch nicht“, beschrieb Franz die Situation. Und so bleibt es bei der kuriosen Situation, dass Indien mit der einen Hand das deutsche Cricket fördert, um es mit der anderen an der Weiterentwicklung zu hindern.

Für Harmanjot „Rohit“ Singh und seine Teamkollegen spielen all diese Unwägbarkeiten aber keine Rolle. Für sie zählt nur der EM-Auftakt gegen Italien und England.

Und egal, in welcher Sportart: Deutschland gegen Italien und England klingt immer nach einem Klassiker!

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