Index-Fonds sind nicht für jedermann

 

„Mit ETFs fahren Anleger am besten“, wird vielfach Warren Buffet zitiert. Zwei Experten ziehen das in Zweifel.

Es gibt Weisheiten, die sich, weil sie eingängig klingen und auf den ersten Blick logisch wirken, verselbstständigen. Starökonom Warren Buffet ist ein Quell für Finanzmarktweisheiten. Beispiele gefällig? „Diversifizieren ist ein Schutz gegen Unwissen. Es macht wenig Sinn für diejenigen, die Bescheid wissen”. Oder: „Ich werde Ihnen erklären, wie Sie reich werden. Schließen Sie die Türen. Seien Sie ängstlich, wenn andere gierig sind. Und seien Sie gierig, wenn andere ängstlich sind.” Im ersten Aphorismus wird eigentlich nur die Bedeutung von Diversifikation erläutert, im zweiten das Prinzip antizyklischen Handelns verdeutlicht. Gefahrenpotential für Anleger können solche Aussagen entwickeln, wenn Sie aus dem Munde einer Investmentlegende stammen.

Ebenfalls aus seiner Feder stammt eine vielzitierte Weisheit über ETFs (Shenzhen: 395013.SZ - Nachrichten) . Buffett ist Verfechter der Meinung, dass Anleger, die weder Zeit für Analyse und Research noch Expertise vorweisen können – was für die meisten Privatanleger gilt -  mit einem Index-Fonds auf lange Sicht besser fahren, als mit einem aktiv gemanagten Fonds. Im Jahr 2008 schloss der Starinvestor eine Wette ab, die im kommenden Jahr ausläuft. Zu Gunsten einer caritativen Einrichtung wettete Buffett gegen die Hedgefonds Gesellschaft Protégé Partners, dass ein Index-Fonds auf den S&P500 in zehn Jahre besser rentieren werde, als einer ihrer Hedgefonds. Ein Jahr vor Ablauf der Frist liegt der Index mit einem Performancevorsprung von durchschnittlich 5% pro Jahr uneinholbar vorn.

Buffett empfahl daraufhin im Frühjahr auch institutionellen Anlegern Investitionen in die kostengünstigen Index-Fonds. Sein Wort verhallt nicht ungehört. In diesem Jahr verzeichnete die ETF-Branche in den USA erneut Nettomittelzuflüsse in Rekordhöhe. 

„Index-fokussiertes Investieren sollte ersetzt werden“

Daniel Godfrey, Mitbegründer des The People’s Trust, sieht diesen Investment Ansatz kritisch. Seiner Meinung nach sind ETFs auf lange Sicht nicht besser: „Index-orientiertes, tracking error kontrolliertes Management sollte durch geduldiges, langfristiges, qualitativ hochwertig verwaltetes Investment ersetzt werden“, so Godfrey. Zum einen pervertierten Indexfonds den Zweck von Investments. Wenn sich die Aufgabe für den Fondsmanager dahin verschiebe, allein den Index zu schlagen, verschiebe sich das Ziel der Geldanlage allein auf die Frage: „Hast Du den Index geschlagen?“. 

Daraus entstehe das Problem, dass immer mehr Fondsmanager an der Index-Performance gemessen würden – und selbst den Index als Gradmesser ihres Erfolges an ihre Performance anlegten: Um nicht signifikant schlechter als der Index anzulegen, würden sie den Index stellenweise imitieren: Sie kreierten mit Blick auf Benchmark (Index) ein Portfolio aus untergewichteten und übergewichteten Aktientiteln. Dabei kauften Manager, getrieben vom Druck der ETF-Benchmark, Aktien von denen sie nicht überzeugt sind. Sie verwalteten daher das Anlagekapital nicht mehr mit Fokus auf die Erträge, sondern das Kommerzielle Risiko. Auf lange Sicht führe das zu einem Kapitalverlust, schließt Godfrey. 

Zum Zweiten fehle es Indexfonds an Steuerungskraft, da sie nicht wie aktive Fondsmanager auf die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen einwirken könnten. Bert Flossbach, Gründer der Fondsgesellschaft Flossbach von Storch, sieht das genauso. Nur wer die Aktien vieler einzelner Unternehmen anschaue, sei in der Lage, ihr Marktgewicht einzuschätzen, sagte der 56-jährige gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Aktienmärkte bekämen Probleme, wenn die Aktieninhaber nur noch aus Indexfonds bestünden, und ETFs „als Eigentümer ihre Unternehmen nicht mehr kontrollierten“, so Flossbach. Dann würden die Kapitalmärkte aufhören zu funktionieren. 

 

(DW)