Impfung durch Betriebsärzte: Große Firmen sind startklar, die Kleinen fürchten "außen vor zu bleiben"

Robin Wille
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BASF-Impfzentrum
BASF-Impfzentrum

Wenn es nach Jens Spahn (CDU) und seinem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geht, dann sollen die Betriebsärzte in Deutschland bei der Pandemiebekämpfung schon bald eine wichtige Rolle spielen. Das geht aus dem „Bericht zum Stand der COVID-19-Impfkampagne“ vom Sonntag hervor. Demnach sei es „angesichts weiter steigender wöchentlicher Liefermengen“ spätestens im Juni möglich, die Betriebsärzte routinemäßig „in die Impfkampagne verstärkt einzubeziehen“.

Die Betriebsärzte sollten die Impfdosen dann „wie etwa Grippe-Impfstoffe auch, regulär über die Apotheken beziehen können“. Die entsprechenden Vorbereitungen befänden sich zwischen dem BMG, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und den Verbänden der Betriebsärzte in der finalen Abstimmung. Eine „zeitnahe regulatorische Umsetzung in der Impfverordnung“ sei geplant.

BASF impft seit Mitte April in eigenem Impfzentrum

In mehreren Bundesländern werden Betriebsärzte bereits in Form von Modellprojekten einbezogen. So impft etwa der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) seit dem 14. April in einem eigens dafür eingerichteten Impfzentrum. Volkswagen impft in einem Werk in Zwickau (Sachsen). In Baden-Württemberg soll ab diesem Montag der Kranhersteller Liebherr impfen dürfen. Und in Bayern will sich der Gesundheitsminister Klaus Holetschek „so schnell wie möglich von der Priorisierung lösen“ und in einem Modellprojekt Betriebsärzte impfen lassen.

Die großen Unternehmen, allen voran die Dax-Konzerne, stehen bereit. Eine aktuelle Umfrage des „Handelsblatts“ unter den 30 Dax-Konzernen und 30 großen Familienunternehmen hat gerade erst aufgezeigt, dass die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Demnach hätten etwa die Allianz und BMW an ihren großen Standorten je 30 Impfstraßen aufgebaut, VW wolle in Wolfsburg 15.000 Dosen pro Woche verabreichen.

„Der Mittelstand darf nicht außen vor bleiben.“

Doch nicht alle Unternehmen und Branchen verfügen über Betriebsärzte, Strukturen und Kapazitäten wie die Dax-Konzerne. Hier besteht die Sorge, bei den Impfungen nicht ausreichend berücksichtigt zu werden. So sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags, Rainer Reichhold: „Der Mittelstand darf nicht außen vor bleiben.“ Gerade die kleineren Betriebe hätten keine vergleichbaren betriebsärztlichen Strukturen wie große Konzerne. Das dürfe aber nicht zu einer Benachteiligung führen. „Denn auch für das Handwerk gibt es durchaus Möglichkeiten einer gewissen Zentralisierung, beispielsweise über den arbeitsmedizinischen Dienst“, so Reichhold.

Business Insider hat bei den Bundesverbänden aus dem Handwerk, Handel und Hotel- und Gaststättengewerbe nachgefragt, wie sie das Thema „Impfen durch Betriebsärzte“ sehen.

HDE: "Impfen, sobald ausreichend Impfstoff vorhanden ist"

Ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE) sagte auf Anfrage von Business Insider, der HDE fordere bereits seit Monaten, „dass neben den Hausärzten auch Betriebsärzte impfen dürfen, sobald ausreichend Impfstoff vorhanden ist“. Die Impfungen müssten weiter beschleunigt werden, „damit die Corona-Maßnahmen zeitnah wieder gelockert werden können“. Betriebsärzte könnten dabei „einen wichtigen Beitrag leisten“. Für Beschäftigte größerer Unternehmen böte sich unter Umständen der Betriebsarzt an, für andere eher der Hausarzt oder die Impfzentren. Auf die Frage, ob die Priorisierung bei der Impfreihenfolge aufgelöst werden sollte, um schneller die Beschäftigten in den Betrieben impfen zu lassen, antwortete der HDE-Sprecher: „Das hängt natürlich von der Verfügbarkeit des Impfstoffs ab. Nur wenn ausreichende Lieferungen sichergestellt sind, können alle aus dem Vollen schöpfen und die Priorisierung aufheben.“

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) sagte im Gespräch mit Business Insider, das allerwichtigste sei, "dass jetzt alles unternommen wird, damit wir schnell ausreichend Impfstoffe haben und diese auch verimpft werden". Impfen sei der Weg zur Lösung. Hartges, deren Branche hart von Schließungen getroffen ist, fordert: „Geimpfte müssen ihre Freiheiten wieder zurückerhalten." Sie glaubt: „Wenn die Möglichkeit besteht, dass Unternehmen impfen dürfen, dann werden das auch größere Unternehmen unserer Branche organisieren können."

Eine Sprecherin des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks ließ Fragen von Business Insider unbeantwortet, mit der Begründung, sie wolle dem Impfgipfel von Bund und Ländern am heutigen Montag nichts vorwegnehmen.