In der Impfreihenfolge (noch) ganz weit hinten: Wie kann ich mich als junger Mensch impfen lassen?

Christiane Rebhan
·Lesedauer: 4 Min.
Eine junge Frau wird in London bereits gegen das Coronavirus geimpft.
Eine junge Frau wird in London bereits gegen das Coronavirus geimpft.

Für Geimpfte ruft der Urlaub, sie dürfen wieder bummeln gehen ohne vorherigen Test und können Freunde sehen. Doch erst 6,7 Millionen Menschen in Deutschland genießen diese Freiheiten ab dem kommenden Wochenende. Gerade junge Menschen fühlen sich möglicherweise vergessen – erst in zwei Monaten soll die Impfpriorisierung aufgehoben, wodurch auch sie zum Zuge kommen können. 

Doch es gibt auch Wege für Personen unter 60, jetzt schon die erste Impfdosis zu erhalten. Business Insider erklärt wie.

Bin ich überhaupt impfberechtigt, obwohl ich jünger als 60 Jahre bin?

Zunächst gilt in Deutschland eine von der Bundesregierung festgelegte Reihenfolge beim Impfen. Sie richtet sich stark nach dem Alter, da ältere Menschen von den Folgen einer Corona-Erkrankung meist schwerer betroffen sind als junge. Mit der ersten Priorisierungsgruppe ist man weitestgehend durch. Wenn hierbei Jüngere geimpft wurden, dann sind sie im medizinischen Betrieb oder Betreuungseinrichtungen tätig oder selbst schwer vorerkrankt.

In die nächste Gruppe fallen dann schon Personen, die pädagogisch arbeiten, also als Erzieher oder Lehrer; Polizisten, die häufig Kontakt zu anderen Menschen haben, weil sie zum Beispiel Demonstrationen schützen. Auch Soldaten im Auslandseinsatz mit einem hohen Infektionsrisiko werden geimpft. Wenn ihr pflegebedürftige Großeltern oder Eltern habt, die nicht in einem Heim leben, würdet ihr zur Gruppe 2 gehören. Außerdem, wenn ihr eine von zwei engen Kontaktpersonen einer Schwangeren seid, oder in einem Heilberuf arbeitet.

In manchen Bundesländern, wie zum Beispiel Baden-Württemberg oder Berlin, ist man mit dem Impfen inzwischen so weit, dass die Gruppe 3 an der Reihe ist. Hier wird es auch für Jüngere wieder interessant. Denn in diese Riege fallen "Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur". Wer genau dazu gehört, das ist je nach Wohnort unterschiedlich. Sicher ist: gemeint sind nicht nur Mitarbeitende von Behörden, sondern auch Menschen, die die Wirtschaft am Laufen halten; die bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich des Technischen Hilfswerks mitwirken; die dafür sorgen, dass Busse und Bahnen durch die Gegend fahren, in Supermärkten kassieren, in der Jugendhilfe tätig sind. Auch wenn ihr euch als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer meldet, gehört ihr dazu. Arbeitet ihr bei einer Bank, Versicherung oder einem Finanzdienstleister, seid ihr auch schon an der Reihe, ebenso wie Angestellte bei Kulturgütern. 

Was genau zur kritischen Infrastruktur in eurem Bundesland gehört, könnt ihr in der Regel den Internetseiten der jeweiligen Landesministerien oder Senats- bzw. Staatskanzleien entnehmen.

Welchen Impfstoff kann ich bekommen?

Grundsätzlich jeden, der vom Robert-Koch-Institut zugelassen wurde. Aber: Für jüngere Menschen gilt aktuell, dass sie nur bei AstraZeneca die Chance auf eine frühzeitige Impfung haben. Der Grund: Inzwischen wurde für dieses Mittel in mehreren Bundesländern die Impfreihenfolge aufgehoben, unter anderem in Berlin, Bayern, Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Verimpft wird AstraZeneca dann in den Praxen. Wichtig: Ihr müsst vor der Impfung ein Beratungsgespräch mit dem Arzt führen, der so beurteilt, ob der Impfstoff für euch geeignet ist.

Wie bekomme ich einen Impftermin?

Zum einen kann man sich an seinen Hausarzt wenden. Das ist bei vielen gesunden, jungen Menschen häufig die Praxis, die die gelben Krankenscheine für den Arbeitgeber ausstellt. Am besten, ihr ruft dort an und fragt, ob es eine Warteliste gibt, oder Impfreste am Ende des Tages verimpft werden. Bei jungen Frauen ist häufig auch die Frauenärztin inzwischen mit Impfstoff versorgt – auch hier lohnt ein Anruf. Umso mehr Impfstoff bundesweit verfügbar ist, desto mehr Fachärzte dürfen impfen. Sogar in Orthopädie-Praxen soll das bald möglich sein. 

In allen Bundesländern gibt es zudem eine Online-Plattform für Termine bei Impfzentren. Hier muss man aber auf die Unterschiede achten: In einigen Ländern gilt, dass sich nur Jüngere registrieren können, die zu einer Priorisierungsgruppe zählen. In anderen Bundesländer, wie etwa in Bayern, kann man sich auch schon auf Wartelisten eintragen, für den Zeitpunkt wenn die Priorisierung voraussichtlich Mitte Juni aufgehoben wird. 

Auch die örtlichen Impfzentren haben manchmal Wartelisten, falls am Abend Impfstoff übrig geblieben ist, der bereits aufgetaut wurde. Ab Juni sollten dann auch die Betriebsärzte mit Impfdosen versorgt werden, allerdings gilt auch für sie: Zuerst die älteren über 60, dann die jungen Mitarbeiter impfen. Wenn jemand aus eurer Familie dort an der Reihe ist, lohnt die Nachfrage, ob auch die Familienangehörigen mitgeimpft werden dürfen. Hilfreich kann auch ein Blick auf die Internetseiten der Kassenärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes sein. Sie führen manchmal Arztzentren oder -praxen auf, die Impfstoff haben.

Was braucht ihr, wenn ihr einen Impftermin ergattert habt?

Mitbringen müsst ihr den fertig ausgefüllten Anamnese-Bogen, den man zum Beispiel bei der Online-Registrierung zugeschickt bekommt. Außerdem euren gelben Impfpass und natürlich eine Bescheinigung vom Arbeitgeber oder der Einrichtung, in der ihr tätig seid (Freiwillige Feuerwehr, Rotes Kreuz usw.), damit ihr nachweisen könnt, dass euch die Impfung auch jetzt schon zusteht.

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