Warum die Immunantwort beim Impfstoff von Biontech/Pfizer schneller nachlässt als die von Moderna — und das beabsichtigt ist

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Philip Dormitzer, wissenschaftlicher Leiter bei Pfizer, hat die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs verteidigt, den der Pharmahersteller zusammen mit dem deutschen Unternehmen Biontech entwickelt hat. Zuvor hatten mehrere kürzlich durchgeführte Studien gezeigt, dass Modernas Corona-Impfstoff eine stärkere und länger anhaltende Immunreaktion auslöst als der von Biontech/Pfizer.

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Unterschiede darauf zurückzuführen sind, dass sich die mRNA-Dosen beider Wirkstoffe unterscheiden. Während der Impfstoff Pfizer/Biontechs nur 30 Mikrogramm mRNA enthält, sind in dem Impfstoff Modernas 100 Mikrogramm enthalten.

Dormritzer von Pfizer sagte am 8. September der "Financial Times", dass man bewusst nur die minimale Dosis verwendet habe, die eine stärkere Immunantwort hervorrief als eine natürliche Infektion. Das Ziel dabei sei gewesen, die Risiken für Impfreaktionen zu minimieren. Er fügte hinzu, dass diesbezüglich "verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen", was die tatsächliche Stärke der Impfreaktionen betrifft.

Viele Untersuchungen zeigen tatsächlich, dass die Impfreaktionen – wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Fieber – bei beiden Impfstoffen ähnlich häufig und ähnlich stark auftreten. Auch die Daten des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums legen dies nahe.

Ein Unterschied scheint jedoch der sogenannte "Moderna-Arm" zu sein. Dabei handelt es sich um einen roten Ausschlag, der nach der Impfung mit dem Vakzin des Pharmaherstellers auftreten könne, jedoch schnell wieder verschwinden soll. Business Insider hat das Unternehmen um eine Stellungnahme dazu gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.

Studien zeigen höhere Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs über die Zeit

Eine Studie unter 1.600 Mitarbeitern des belgischen Gesundheitswesens zeigte, dass Moderna-Geimpfte sechs bis zehn Wochen danach etwa doppelt so viele Antikörper produzierten wie diejenigen, die den Wirkstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatten. Das könnte unter anderem an den höheren mRNA-Werten im Wirkstoff von Moderna liegen, schreiben die Autoren der Studie, die Ende August im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlicht wurde.

Eine andere Untersuchung der University of Virginia, die ebenfalls kürzlich in der Fachzeitschrift "JAMA" veröffentlicht wurde, zeigte, dass sich die Antikörperreaktion nach der Gabe des Moderna-Vakzins zwischen verschiedenen Altersgruppen nicht bedeutsam unterscheidet. Mit einer Ausnahme: Die Forscher stellten eine geringere Antikörperreaktion bei Menschen über 50 Jahren fest, die den Wirkstoff von Biontech/Pfizer bekommen hatten. Die Autoren nannten ebenfalls die unterschiedlichen Menschen mRNA als möglichen Grund.

Was man dazu wissen muss: Die Reaktion der Antikörper ist nur ein Teil der Immunreaktion des Körpers – und wie stark diese genau sein muss, um vor einer Covid-19-Erkrankung geschützt zu sein, ist noch nicht ganz geklärt. Klar ist jedoch: Mit der Zeit nimmt die Zahl der Antikörper und damit der Impfschutz langsam ab. Forscher der Universität Oxford kamen zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass Menschen, die mit Biontech/Pfizer und AstraZeneca geimpft worden waren, nach vier Monaten einen ähnlichen Antikörperspiegel aufwiesen. Während der Antikörperspiegel nach der Impfung von Pfizer/Biontech nachgelassen hatte, war der nach der Impfung mit AstraZeneca gleich geblieben, so die Wissenschaftler.

Praxisdaten aus Kanada von Anfang 2021 ergaben wiederum, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer eine Wirksamkeit von nur 56 Prozent gegen die Delta-Variante hat – der von Moderna dagegen zu 72 Prozent. Dieser Unterschied in der Wirksamkeit könnte allerdings auch dadurch begründet sein, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer eher älteren Menschen verabreicht worden ist, die grundsätzlich zu einer schwächeren Immunantwort neigen. Ganz geklärt ist also bisher nicht, ob der Unterschied in der Impfstoff-Dosis tatsächlich zu einer unterschiedlichen Wirksamkeit über die Zeit führt. Es sprechen aber einige Belege dafür – und Wissenschaftler werden mit zusätzlichen Daten künftig auch mehr Klarheit über einen möglichen kausalen Zusammenhang gewinnen.

Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original findet ihr hier.

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