Immobilienfinanzierung: Bauzinsen sinken im Oktober erstmals wieder unter vier Prozent

Ein Dachdecker ist an einem Neubau beschäftigt. Bei den Bauzinsen in Deutschland scheint es eine Trendwende zu geben. - Copyright: Ingo Bartussek/Shutterstock
Ein Dachdecker ist an einem Neubau beschäftigt. Bei den Bauzinsen in Deutschland scheint es eine Trendwende zu geben. - Copyright: Ingo Bartussek/Shutterstock

Es kommt möglicherweise nicht ganz so schlimm, wie von Immobilienexperten erwartet: Die Bauzinsen haben im Oktober das Mehrjahreshoch wieder unterschritten. Aktuell sind die durchschnittlichen Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen mit 3,62 Prozent jährlich im Vergleich zu den zwischenzeitlichen Höchstständen von 3,85 Prozent von Mitte Oktober leicht gefallen. Im Schnitt leihen sich Häuslebauer für ihren Immobilienwunsch 235.000 Euro von der Bank. Das sind um zehn Prozent geringere Summen als noch Mitte des Jahres. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2021 sind die durchschnittlich benötigten Summen sogar um 21 Prozent niedriger.

„Die Immobilienpreise sinken in einigen Regionen erstmals wieder“, sagt Ingo Foitzik, Geschäftsführer Baufinanzierung bei dem Vergleichsportal Check 24. „Das spiegelt sich zum Teil in den gesunkenen durchschnittlichen Kreditsummen wider. Außerdem können sich Verbraucher aufgrund gestiegener Lebenshaltungs- und Energiekosten nicht mehr ganz so hohe Summen leisten wie in den vergangenen Jahren.“

Seit Jahresbeginn hatten sich die Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite auf rund vier Prozent mehr als vervierfacht. Bei den monatlichen Raten macht das oft Hunderte Euro aus. Hinzu kommt, dass Banken wegen der hohen Inflation Anträge auf Immobilienkredite strenger prüfen – sie rechnen zum Beispiel mit höheren Lebenshaltungskosten bei den Kreditnehmern. Der Anteil der Kaufinteressenten, den man wieder nach Hause schicken müsse, sei deutlich gestiegen, ist die Rückmeldung von Kreditinsituten.

Als wäre das nicht genug, macht Bauherren auch der starke Anstieg der Baupreise zu schaffen. Viele Wohnbauprojekte werden bereits abgesagt. Im September meldeten laut der Informations- und Forschungsstelle für Wirtschaftsbeobachtung (Ifo-Institut) 16,7 Prozent der befragten Baufirmen stornierte Aufträge – und damit deutlich mehr als im August. Mit den raueren Zeiten am Immobilienmarkt herrscht viel Nervosität, wie es weiter geht, nachdem die Preise jahrelang hochgeschossen waren.

Die gesunkenen Bauzinsen sind deshalb gute Nachrichten, denn das Neugeschäft deutscher Banken mit Immobiliendarlehen, die an Privathaushalte und Selbstständige vergeben wurden, war noch im September um 28 Prozent zum Vorjahresmonat eingebrochen. Das zeigen Daten der Beratungsfirma Barkow Consulting. Mit einem Volumen von 16,1 Milliarden Euro lag das Neugeschäft auf dem niedrigsten Stand seit 2014, so die Analyse, die sich auf Zahlen der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank stützt.

Baufinanzierungen sind wichtiges Geschäft für deutsche Banken

Die Bauzinsen sind nicht direkt von EZB-Zinsentscheidungen abhängig, sondern orientieren sich an der Verzinsung von Bundesanleihen. Bereits vor den Zinserhöhungen der Notenbank sind die Bauzinsen gestiegen. Höhere Zinsen treffen vor allem diejenigen, die ein neues Darlehen brauchen oder eine Anschlussfinanzierung für einen Immobilienkredit. Bei laufenden Hypothekenkrediten ändert sich nichts an der Zinshöhe.

Für deutsche Banken sind Baufinanzierungen ein sehr wichtiges Geschäft. Private Immobiliendarlehen bilden mit rund 40 Prozent den größten Anteil in ihrem Kreditbuch. Nach Jahren des Booms lag der Bestand laut Barkow im September bei 1555 Milliarden Euro.

Mit Material der DPA/cri