Immer weniger Schmetterlinge in Deutschland

Schmetterlinge verschwinden wegen intensiver Landwirtschaft

In Deutschland gibt es immer weniger Schmetterlinge. Bei nachtaktiven Schmetterlingen ging die Anzahl der Arten seit den frühen 80er Jahren um mehr als die Hälfte zurück, wie eine am Montag veröffentlichte Untersuchung des Biologen Josef Reichholf im Auftrag der Deutschen Wildtierstiftung zeigt. Bei den Tagfaltern verringerte sich seit Mitte der 70er Jahre die Zahl der Wiesenarten sogar um 73 Prozent.

Es gebe nicht nur einen dramatischen Rückgang in der Artenvielfalt. Auch die Zahl der Individuen sei stark rückläufig. Der Rückgang betrifft demnach vor allem die Agrarlandschaft. Bei den Waldarten und in den Städten gebe es keinen vergleichbaren Rückgang. Reichholf sprach von einem "Alarmsignal".

Die Funktion von Schmetterlingen im gesamten Ökosystem werde häufig unterschätzt. "Sie bestäuben Pflanzen und sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere", erklärte der Schmetterlingsexperte. In Deutschland gibt es etwa 3700 verschiedene Arten von Schmetterlingen.

Für das Verschwinden der Schmetterlinge macht Reichholf unter anderem den großangelegten Maisanbau vor allem für Biogasanlagen verantwortlich. Im Jahr 2016 wurden demnach in Deutschland mehr als zweieinhalb Millionen Hektar Land mit Mais bebaut.

Dies sei dreimal so viel wie in den 80er Jahren. Die großen Maisanbaugebiete im Nordwesten, Südosten und Süden Deutschlands seien zudem durch ein besonders hohes Maß an Überdüngung und damit besonders große Stickstoffüberschüsse betroffen.

Fritz Vahrenholt, Vorstand der Deutschen Wildtierstiftung, forderte, die Förderung der Biogaserzeugung aus Mais über das Erneuerbare-Energien-Gesetz zu beenden. "Insbesondere der zunehmende Maisanbau für die Erzeugung von Biogas gefährdet die Artenvielfalt und damit auch die Schmetterlinge."