Kleinen Teams platzt Kragen: Lakers und Nets holen Stars

Franziska Wendler
·Lesedauer: 4 Min.
Kleinen Teams platzt Kragen: Lakers und Nets holen Stars
Kleinen Teams platzt Kragen: Lakers und Nets holen Stars

In den vergangenen Tagen wurde das Thema Buyout in der NBA wieder richtig groß.

Also der Vorgang, dass sich ein Spieler mit seinem Team auf eine Vertragsauflösung einigt, damit er für weniger Geld bei einem anderen Team - meist einem Titelkandidaten - unterschreiben kann.

Ein Move, der sich für die dann ehemalige Franchise des Profis vor allem deshalb loht, weil dem Sportler zwar zumindest das garantierte Gehalt weiter gezahlt werden muss, der Salary Cap aber nicht mehr belastet wird und somit Geld in neue Spieler investiert werden kann.

Und genau dieses Modell sorgt nun in der besten Basketball-Liga der Welt für Ärger. Den kleinen Teams platzt zusehends der Kragen. Vor allem, weil die zwei wohl größten Titelkandidaten diese Möglichkeit munter nutzen, um sich für geringes Geld All-Stars an Land zu ziehen, die in ihrer Karriere noch einmal einen Ring abstauben wollen.

Bei den beiden Titelkandidaten handelt es sich dabei um den aktuellen Meister Los Angeles Lakers und die zum Superteam aufgerüsteten Brooklyn Nets.

Lakers sichern sich Drummond

Die Lakers haben die Buyout-Option erst kürzlich bei Center Andre Drummond angewendet. Der zweimalige All-Star hatte sich mit den Cavs auf einen Vertragsauflösung geeinigt.

Nun stößt er für kleines Geld zum Team um den deutschen Nationalspieler Dennis Schröder, bei dem aktuell LeBron James und Anthony Davis ausfallen und eine kurzfristige Verstärkung mehr als nur willkommen ist.

Noch mehr profitieren die Brooklyn Nets. Die Truppe, die mit Kevin Durant, Kyrie Irving und James Harden bereits drei Mega-Stars im Kader hatte, hat die Buyout-Option nämlich nicht nur einmal verwendet. (NEWS: Alles Wichtige zur NBA)

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Mit Blake Griffin und LaMarcus Aldridge haben sich gleich zwei Spieler der Franchise angeschlossen, die sechs- bzw. siebenmalige All-Stars sind. Bei seinen ersten beiden Spielen für die Nets stand Aldridge direkt in der Starting Five und deutete an, dass er ihnen in Sachen Titelträumen durchaus weiterhelfen kann.

Neu ist das Vorgehen der Lakers und Nets im Zeitalter der Superteams wahrlich nicht. Bereits bei den Miami Heat wurde damals der Kader um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh mit ehemaligen All-Stars aufgefüllt.

Buyout verändert NBA

Dennoch hat die Nutzung der Buyout-Funktion in der NBA etwas verändert. Das eigentlich halbwegs für Gerechtigkeit sorgende Salary-Cap-System, in dem jedem Team jährlich der gleiche Betrag für den Kader zur Verfügung steht, wird ausgehebelt.

Die Big-Market-Teams erhalten kurzfristig ehemalige All-Stars für wenig Geld, die ihren Wunsch nach einer Meisterschaft befriedigen wollen. Zu Teams mit weniger Aussicht auf sofortigen Erfolg gehen Spieler wie Aldridge und Griffin dagegen nur in den seltensten Fällen.

Deshalb scheint es nur allzu verständlich, dass die Führungskräfte der kleineren Teams nun bei NBA-Commissioner Adam Silver Sturm laufen und den Buyout-Prozess nach Ablauf der Trade-Deadline verändern wollen. (Die Tabellen der NBA)

Die Liga könnte diese Beschwerden mit Zahlen kontern. In den vergangenen 15 Jahren gab es insgesamt 39 Spieler, die per Buyout zu einem Team wechselten, das auch in den Playoffs vertreten war. Das Meisterrennen konnten diese Profis aber kaum beeinflussen.

Agenten beeinflussen Prozess

Die Spieler zieht es bei den Buyouts auch nicht zwingend zu den Big-Market-Teams, sondern schlichtweg zu Teams, mit denen sie Meister werden können. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat New York wieder einen Titelkandidaten. Für die früher chancenlosen Nets hätten Aldridge oder Griffin nicht auf Geld verzichtet, New York hin oder her. (TICKER: Trades und Gerüchte aus der NBA)

Was bei den kleinen Teams jedoch für Frust sorgt, ist die Tatsache, dass die Agenten der Spieler in der Problematik inzwischen eine enorme Rolle spielen. Diese können den Markt für potenzielle Buyout-Kandidaten drücken und mögliche neue Teams entmutigen, sich auf einen Trade einzulassen. So erwirken sie stattdessen einen Buyout und verfrachten den Spieler zu dem Team, zu dem er wirklich will.

Drohungen, dass ein Spieler für die komplette Saison ausfällt oder nur selten spielt, sind laut NBA-Insider Adrian Wojnarowski von ESPN dabei keine Seltenheit. Danach bleibt für potenzielle neue Teams häufig nur die Option Rückzug.

Aber auch die kleinen Franchises sind nicht frei von Schuld. Wenn diese Spieler bereits Wochen vor Ende der Trade-Deadline nicht mehr spielen lassen, so wie beispielsweise die Cavs-Großverdiener Andre Drummond, werden Buyouts geradezu befeuert.

NBA will neue Regelung diskutieren

Um die Kontrolle über die Prozesse wiederzuerlangen, diskutieren die General Manager der einzelnen NBA-Teams gerade diverse Optionen.

Eine Verlegung des Buyout-Marktes vor das Ende der Trade-Deadline könnte es den Agenten und Spielern schwerer machen, den Prozess zu manipulieren. Auch eine ausgleichende Draft-Regelung, die Zweitrunden-Picks des neuen Teams eines Spielers an das alte abgibt, ist im Gespräch. (Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Die Liga selbst hat aber weder dem Wettbewerbsausschuss noch der Spielergewerkschaft jemals einen Entwurf zur Änderung der Regel vorgelegt. Die Gewerkschaft wäre wohl ohnehin auf der Seite der Spieler und würde die aktuelle Regel beibehalten wollen.

Vor der Saison 2023/24 plant die NBA trotzdem, die Buyout-Thematik breit zu diskutieren. Die Liga will dadurch die Spieler aus dem Buyout-Pool für mehr Teams zugänglich machen als nur für die Titelanwärter.

Ein einfaches Unterfangen wird dies jedoch gewiss nicht.