Immer mehr Kinder und Jugendliche auf Hartz IV angewiesen

Das Kindergeld für Hartz-IV-Bezieher wird verrechnet

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland brauchen Hartz IV. Der Anstieg der vergangenen Jahre geht auf die Zuwanderung zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. Insgesamt ist etwa jedes siebte Kind auf staatliche Grundsicherung angewiesen.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Haushalten erhöhte sich den Angaben zufolge zwischen 2013 und dem vergangenen Jahr von 1,9 Millionen auf 2,05 Millionen. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,9 Prozent.

Die Zahl der ausländischen Bezieher unter 18 verdoppelte sich, während es bei den deutschen Beziehern einen Rückgang von 8,9 Prozent gab. Die Zahl der minderjährigen deutschen Hartz-IV-Empfänger sank von gut 1,6 Millionen auf knapp 1,5 Millionen, die der ausländischen Empfänger stieg von 289.000 auf 584.000. Besonders hoch war der Anteil bei den Kindern unter drei Jahren: Mit den 383.000 Hartz-IV-Empfängern war in dieser Altersgruppe fast jedes sechste Kind betroffen.

Die größte Steigerung war bei den Kindern und Jugendlichen aus Asyl-Herkunftsländern zu verzeichnen. Waren unter ihnen 2013 noch 47.000 der Hartz-IV-Bezieher unter 18, waren es im vergangenen Jahr 318.000 - davon 205.000 aus Syrien. Die Statistik der Bundesagentur erfasst all jene Hartz-IV-Empfänger, die nicht mehr den Status eines Asylbewerbers haben und entweder eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen oder geduldet sind.

Aber auch bei den minderjährigen Hartz-IV-Beziehern aus anderen EU-Staaten gab es nahezu eine Verdreifachung der Zahlen - von 33.000 auf 93.000. Gut 30.000 der Bezieher vom vergangenen Jahr stammten aus Bulgarien, 27.800 aus Rumänien. EU-Bürger haben Anspruch auf Hartz-IV-Leistungen, wenn sie entweder eine gewisse Zeit erwerbstätig waren oder ihr Arbeitseinkommen nicht zum Lebensunterhalt reicht. Ohne Einkommen entsteht der Anspruch erst nach einem rechtmäßigen Aufenthalt von fünf Jahren in Deutschland.

Die Linke rief die Bundesregierung zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen Kinderarmut auf. "Jedes Kind in Armut ist ein Kind in Armut zu viel", erklärte Fraktionschef Dietmar Bartsch. "Der Kampf gegen Kinderarmut muss zur Chefsache werden, denn jedes Kind verdient es, die gleichen Chancen im Leben zu haben."

Hartz IV bleibe ein menschenunwürdiges System, welches die Bundesregierung dazu nutzt, Menschen in Armut zu parken und in Billigjobs zu bringen, kritisierte Bartsch. "Wir brauchen einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor mit sinnvollen und gut bezahlten Jobs."

Die Grünen forderten ein neues System der Existenzsicherung für Kinder und Jugendliche, das Teilhabe für alle garantiere. Dafür solle eine "existenzsichernden Kindergrundsicherung" eingeführt werden, erklärten die stellvertretende Fraktionschefin Katja Dörner und der Sozialexperte Sven Lehmann. Eine Erhöhung des Kindergeldes helfe nicht, weil dieses auf Hartz IV angerechnet werde.