Und immer an die Aktien denken

Schon rund 500 Punkte ist der deutsche Leitindex Dax im neuen Jahr gestiegen – und ein Ende der Aktienhausse scheint nicht in Sicht. Viele Strategen äußern sich deshalb optimistisch – und argumentieren mit der guten Konjunktur. „So wie es aussieht, wird sich die positive Entwicklung fortsetzen“, meint auch Marc Schaffner von der Schweizer Bank UBS.

Er bemüht das Stichwort „Goldilocks“. Unter den Investoren ist das Szenario, das sich auf das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären bezieht, ein Symbol für die beste aller Anlagewelten. Wie im Märchen, in dem ein Mädchen das perfekte Bett, Stuhl und Löffel für sich findet, pendelt sich auch die Wirtschaft im Goldilocks-Szenario im Gleichgewicht ein, in dem ein gutes Wirtschaftswachstum bei nur moderater Inflation einen idealen Nährboden für Aktienkursgewinne bildet.

Ähnlich denkt Jan Ehrhardt, Vorstand des Fondshauses DJE Kapital aus München: „2018 wird die Performance wieder über die Aktien kommen; bei Anleihen wird es schwierig sein etwas zu holen – wir sehen ja, wo die Zinsen sind.“


Mutige Anleger werden die Chancen mit Aktienfonds nutzen wollen in der Hoffnung, dass die Börsenhausse ihr zehnjähriges Jubiläum im kommenden Jahr schafft. Eine gute Rating-Note von Scope besitzt beispielsweise der „Global Opportunity Fund“ vom US-Haus Morgan Stanley, woraus Scope eine gute Wahrscheinlichkeit für auch künftig überdurchschnittliche Erträge ableitet. Der über vier Milliarden US-Dollar schwere Fonds spielte allein im letzten Jahr über 30 Prozent Rendite ein.

„Manager Kristian Heugh macht einen guten Job“, konstatiert Härtel. Der Morgan-Stanley-Mann verlässt sich auf große Bestände an Technologiewerten. Die größten Positionen sind Aktien von Facebook und Amazon. Eine gute Wahl ist laut Analyst Härtel auch der „Growth World“ vom französischen Anbieter Comgest mit ebenfalls starker Neigung zu Tech-Titeln. „Es war das Börsenthema weltweit: wer Technologieaktien hatte, der gehörte zu den Gewinnern“, sagt Härtel.

Fondsauswahl ist riesig

Die Auswahl an Fonds ist allerdings riesig. Bei der Suche nach einem passenden, guten Produkt helfen die Fonds- und die ETF-Suche. des Handelsblatts dabei. Suchkriterien wie die Anlageregion, Sektoren, die Wertentwicklung der letzten Jahre oder die Bewertung durch das Ratinghaus Morningstar stehen zur Auswahl. Thesaurierende Fonds schütten die Dividenden nicht aus, sondern legen sie wieder an. Breit diversifiziert sind zum Beispiel Aktienfonds und ETFs, die sich am MSCI World Index oder dem Stoxx 600 Europe orientieren.

Viele Analysten halten Aktiengewinne im laufenden Jahr allerdings nicht für einen Selbstläufer. Schaffner von der UBS erwartet stärkere Schwankungen an den Börsen als in der ungewöhnlich ruhigen Vergangenheit. Wem also ein Fonds, der ausschließlich auf Aktien setzt, wegen möglicher Kursschwankungen schlaflose nächste bereitet, kann auf ein anderes Fondsprodukt setzen. Mischfonds kommen etwas vorsichtiger daher: Die Fondsmanager verteilen das Geld dort auf Aktien und Anleihen, was das Verlustrisiko eingrenzen soll.

„Manche Kunden wollen einfach keine Aktien pur, auch wenn sie von der Idee überzeugt sind“, erläutert Ehrhardt von DJE Kapital, „sie legen Wert auf geringe Schwankungen“. Als Depot mit guten Erträgen gilt hier etwa der „Mainfranken Strategiekonzept“ von Deka Investments. Der „Multi Opportunities III“ von Deutsche Asset Management gehört ebenfalls dazu. Die Manager dieser Produkte haben zuletzt Jahresrenditen um die zehn Prozent geliefert.


Und unter den Mischfonds gibt es noch Produkte, die besonderes Augenmerk darauf legen, in Phasen schwächerer Börsen stabil zu bleiben. „Anleger mit schwächeren Nerven können auf Fonds ausweichen, die solche Abrutscher ausdrücklich abfedern wollen“, rät Härtel. Eine solche Strategie fährt der knapp fünf Milliarden Dollar schwere, erfolgreiche Fonds „Global Macro Opportunities“ von JP.Morgan Asset Management, gesteuert von Talib Sheik. Ein weiterer Fonds ist der „Private Wealth“ des deutschen Anbieters Frankfurt Performance Management. Er lieferte längerfristig Jahresrenditen über vier Prozent. Das sind auf den ersten Blick eher niedrige Erträge. Dafür will der Manager Börsenrücksetzer stärker abfedern als Sheik.

Echte Gefahren für die Börsen sieht allerdings auch Raik Hoffmann als Vorstand von Frankfurt Performance Management nicht. Er vertraut auf die geldpolitischen Entscheider: „Die Zinsseite ist sicher die größte Bedrohung. Sollten die Aktien aber stärker fallen, werden die Notenbanken wieder stärker eingreifen, was dann die Zinsen drücken und die Aktien stützen würde.“ Sorgen hat auch JP-Morgan-Manager Sheik nicht: Er sieht im typischen Fachjargon weiter ein „positives Umfeld für ein risikoorientiertes Portfolio“. Sollten sie recht behalten, stehen die Zeichen gut für ein weiteres Aktienjahr.