Ilan Stephani: "Als Prostituierte oft wie eine Therapeutin gefühlt"

Ilan Stephani: Im Oktober erscheint ihr erstes Buch mit dem Titel „Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe“

Werde ich es ihr ansehen? Werde ich an ihrer Kleidung, an ihrem Auftreten erkennen, dass sie mal im Bordell gearbeitet hat? Und dann sitzt Ilan Stephani vor mir, ungeschminkt, die langen Haare locker hochgesteckt, in Hoodie, Jeans und Sneakers. Das Gegenteil einer Klischee-Prostituierten.

Die 31-Jährige lächelt, als ich mich im Café zu ihr an den Tisch setze. Vielleicht ahnt sie, was in meinem Kopf vorgeht, welche Korrekturen ich auf den ersten Blick vornehmen muss. Dabei war eigentlich schon vor dem Treffen klar, dass mich hier keine Frau mit tiefrot geschminkten Lippen, Minirock und Lackstiefeln erwarten wird. Ilan Stephani hat ein Buch geschrieben, "Lieb und teuer", es ist gerade erschienen. Darin beschreibt sie, warum sie zwei Jahre in Berlin als Prostituierte gearbeitet hat, was sie dabei erlebt hat, wie diese Erfahrungen ihr Leben und Denken verändert haben. Es ist kein verschämter Blick durchs Schlüsselloch, sondern eine sehr offene Auseinandersetzung mit dem Thema.

Großes Schweigen oder aufgeladene Debatten

In Deutschland arbeiten geschätzt mindestens 400.000 Menschen in der Prostitution, die meisten davon Frauen, der Umsatz im Rotlichtgewerbe liegt laut Statistischem Bundesamt bei 14,6 Milliarden Euro im Jahr. Und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht davon aus, dass jeden Tag etwa 1,2 Millionen Männer bezahlten Sex haben. Allein der Andrang bei der Erotikmesse Venus, die gerade in den Messehallen unter dem Funkturm stattfindet, oder der zu fast allen Tageszeiten g...

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