IG Metall warnt Flugzeugbauer Airbus vor "übertriebenem Stellenabbau"

Eine Endmontagehalle bei Airbus in Hamburg

Angesichts der Diskussion um mögliche Produktionssenkungen in bestimmten deutschen Airbus-Werken hat die Gewerkschaft IG Metall vor einem "überzogenen Stellenabbau" gewarnt. Der Flugzeugbauer habe "insgesamt gut zu tun", erklärte der Leiter des norddeutschen IG Metall-Bezirks Küste, Meinhard Geiken, am Donnerstag in Hamburg. Politiker der großen Koalition forderten, die Vergabe öffentlicher Mittel an Airbus mit Job- und Standortgarantien zu verbinden.

Das Unternehmen hatte am Mittwoch nach einem Treffen mit dem europäischen Gesamtbetriebsrat in Toulouse mitgeteilt, sinkende Produktionsraten in bestimmten Baureihen könnten bis zu 3700 Stellen betreffen. Details sind bisher unklar.

Laut der französischen Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) sollen 1900 davon in Deutschland sein. Demnach geht es allerdings nicht um betriebsbedingte Kündigungen. Das Unternehmen selbst erklärte dazu, es sei "zuversichtlich, den meisten der betroffenen Mitarbeitern (...) neue Stellen innerhalb des Unternehmens anbieten zu können".

Auch die IG Metall Küste verwies am Donnerstag auf den vor mehreren Jahren abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bei Airbus bis zum Jahr 2020 ausschließt. Diese Bedingung sei Grundlage für den von der Geschäftsleitung angekündigten Dialog über die geplanten Maßnahmen.

Die Gewerkschaft erwarte nun, dass die Arbeitnehmergremien in Deutschland "voll umfänglich" über sämtliche mögliche Auswirkungen informiert würden, um sich ein Bild zu machen. Es sollte am Ende auch möglich sein, "allen betroffenen Mitarbeitern in anderen Programmen am Standort Arbeitsplätze anzubieten".

Druck auf Airbus kommt auch von Politikern der geschäftsführenden großen Koalition. "Es ist nach meiner Überzeugung legitim, die Vergabe öffentlicher Mittel für Airbus an Bedingungen zu knüpfen", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Bernd Westphal, der Zeitung "Handelsblatt". Die Politik sei gefordert, "um unbillige Härten zu verhindern und Standorte zu sichern".

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Christian Hirte. Airbus habe eine "besondere strategische Bedeutung" und verlange "massive Forschungsanstrengungen", die "zielgenaue finanzielle Unterstützung" durch den Bund rechtfertigten, sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt". Umgekehrt komme Airbus damit auch eine "besondere Verantwortung" zu.

Airbus produziert unter anderem an Standorten in Hamburg, Bremen, Stade und Augsburg. Dort werden auch Teile für den Militärtransporter A400M und den Riesen-Airbus A380 gefertigt, die als Sorgenkinder des Konzerns gelten.