IG Metall macht Bundesregierung für das drohende Aus der Thyssen-Krupp-Werften verantwortlich

Die IG Metall geht wegen der möglichen Abwicklung der Thyssen-Krupp-Werften hart mit der Bundesregierung ins Gericht. Selbst Wettbewerber sind besorgt.


Die drohende Zerschlagung der Thyssen-Krupp-Werften sorgt selbst unter Wettbewerbern für Unruhe. „Es wäre ein fatales Signal, wenn das Unternehmen seine Sparte abwickeln müsste“, sagte ein hochrangiger Manager eines Konkurrenten, der ungenannt bleiben wollte.

Als Marktführer verfüge der Konzern über weitreichende Fähigkeiten, die für den Bau von Überwasserschiffen und U-Booten benötigt würden. „Keine Werft könnte diese Lücke im Moment füllen.“

Die Verantwortung für das Desaster sieht die Gewerkschaft IG Metall vor allem bei der Bundesregierung. „Ausgelöst wurde das Ganze durch das Bundesverteidigungsministerium, das mit der europaweiten Ausschreibung des Milliarden-Auftrags MKS 180 das Aus des Marineschiffbaus in Deutschland billigend in Kauf nimmt“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.


Nachdem die Bundesregierung Thyssen-Krupp von einem laufenden Bieterprozess für den Bau des Mehrzweckkampfschiffes MKS 180 ausgeschlossen hatte, muss die Konzernführung eine Abspaltung der Sparte mit 6.000 Mitarbeitern prüfen.

Ohne diesen Auftrag im Wert von 3,5 Milliarden Euro droht den Standorten die Arbeit auszugehen. Außerdem sinken die Chancen auf Exportaufträge, da Militärs anderer Länder nur bei dem Anbieter kaufen, der auch seine Heimatmarine ausrüstet.

Der Ruhrkonzern verhandelt bereits mit Wettbewerbern über die Zukunft ihrer Werftensparte. Die Gespräche könnten in einer Partnerschaft, einer Beteiligung oder einen Komplettverkauf des Überwasserbereichs münden. In einem späteren Schritt könnte Thyssen-Krupp auch die deutlich größere U-Boot-Abteilung abgeben. Das Unternehmen ist weltweit führend beim Bau von konventionellen Unterwasserbooten.

Die Folgen des MKS 180-Aus spürt Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) bereits jetzt. Ein sicher geglaubter Fregatten-Auftrag aus Ägypten dürfte laut Branchenkreisen an den Rivalen Naval aus Frankreich gehen.

IG-Metaller Geiken fordert, Die Politik müsse wie im Koalitionsvertrag angekündigt dafür sorgen, dass der Schiffbau als Schlüsseltechnologie eingestuft werde. Die Bundesregierung würde dann die Marinewerften speziell fördern, um das Wissen um den Bau von Fregatten wie der MKS 180 und U-Booten im eigenen Land zu erhalten.


Im Rennen um MKS 180 sind nach dem Aus von Thyssen-Krupp noch German Naval Yards (GNY) und die niederländische Damen-Gruppe verblieben. Die Holländer würden die MKS 180-Einheiten zwar in Zusammenarbeit mit Lürssen in Deutschland fertigen.

Das wesentliche Know-how würde aber im Nachbarland verbleiben, fürchten Branchenkenner. GNY würde einem Zuschlag mit einem US-Konzern kooperieren, was einige Politiker im derzeitigen Umfeld für problematisch halten. „Immerhin würden aber die Kernfähigkeiten in Deutschland verbleiben“, sagte ein Unions-Politiker.

Unterdessen versucht der Vorstand der Thyssenkrupp-Werftentochter, die Sorgen der Beschäftigten zu zerstreuen. „Fakt ist: Für uns ist und bleibt der Überwasserschiffbau ein zentrales Standbein, an dem wir festhalten wollen. Kein erfolgreicher Systemanbieter baut nur U-Boote. Fakt ist auch, dass wir keinen Stellenabbau planen“, hieß es in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Mitarbeiter-Info des Spartenvorstands. In der Info hieß es zudem zu Berichten über einen möglichen Verkauf: „Das stand ja mal zur Debatte. Es gehört allerdings auch zur Tagesordnung jedes Konzerns, sein Portfolio an verschiedensten Geschäften stetig zu überprüfen.“