IG Metall-Chef Hofmann wirft Arbeitgebern "Angstkampagne" vor

Streiks im Saarland

Vor der nächsten Tarifrunde für einen Teil der Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hat die Gewerkschaft IG Metall den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Sollte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bis Ende Januar nicht einlenken, werde es eine weitere Steigerung der bereits begonnenen Warnstreiks geben, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch. Erneut beteiligten sich landesweit zehntausende Beschäftigte an den Ausständen.

In Böblingen sollten am Donnerstag die Tarifverhandlungen für die über 900.000 Beschäftigten der Branche in Baden-Württemberg fortgesetzt werden. Die IG Metall fordert neben sechs Prozent mehr Lohn auch das Recht auf eine befristete 28-Stunden-Woche, teilweise mit Lohnzuschlägen. Diese sehen die Arbeitgeber aber als rechtswidrig an, weil sie eine Ungleichbehandlung gegenüber Beschäftigten, die bereits in Teilzeit sind, bedeuteten.

In den ersten beiden Verhandlungsrunden boten die Arbeitgeber statt der von der Gewerkschaft geforderten sechs Prozent zwei Prozent mehr Lohn. Sie fordern zudem, mehr Beschäftigte länger als 35 Stunden einsetzen zu dürfen.

Sollte es kein Entgegenkommen geben, "dann sehen wir, ob es Sinn macht, weiter zu verhandeln, ob es ganztägige Warnstreiks geben wird oder gleich die Urabstimmung über Flächenstreiks", warnte Hofmann. Den Arbeitgebern warf der IG Metall-Chef eine "Angstkampagne" vor, weil diese die Gewerkschaftsforderung nach Zuschüssen für Beschäftigte, die zur Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ihre Arbeitszeit reduzieren, als illegal bezeichnet hatten.

Bei "gesellschaftlich wichtigen Aufgaben wie Gesundheit, Erziehung und Pflege" seien die Arbeitgeber in der Verantwortung, sagte Hofmann der "Passauer Neuen Presse". "Sie scheuen sich davor anzuerkennen, dass Eigentum verpflichtet." Laut Hofmann lägen die Kosten der Gewerkschaftsforderungen für die Arbeitgeber "in etwa bei einem Prozent der Lohnkosten".

Linken-Chef Bernd Riexinger begrüßte den Druck der IG Metall auf die Arbeitgeber. "Die Auftragsbücher sind voll, die Unternehmen fahren glänzende Gewinne ein", erklärte er. Trotzdem schalteten die Arbeitgeber auf stur und drückten sich vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Er hoffe, dass die Streiks die Arbeitgeber schnell zur Vernunft bringen werden, erklärte Riexinger.

Die IG Metall hatte am Montag mit Warnstreiks begonnen, die auch Mittwoch fortgesetzt wurden. Allein in Nordrhein-Westfalen legten fast 26.000 Beschäftigte zeitweise die Arbeit nieder, in Baden-Württemberg, wo am Donnerstag weiterverhandelt wird, waren es 16.000 Menschen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Auch aus Berlin, Brandenburg und Sachsen wurde eine rege Beteiligung gemeldet. Am Donnerstag sollen die Aktionen in einer Reihe von Ländern fortgesetzt werden.