IG Metall beginnt am Dienstagabend mit ersten 24-Stunden-Warnstreiks

Gewerkschafter bei einer Demonstration in Hamburg vor einigen Tagen

Nach dem Abbruch der Tarifgespräche in der deutschen Metall- und Elektroindustrie beginnt die IG Metall am Dienstagabend mit ihren ersten 24-Stunden-Warnstreiks. Laut Gewerkschaft werden unter anderem Mitarbeiter der Firmen Heidelberg Manufacturing und Huber Packaging in Baden-Württemberg mit Beginn der Spätschicht die Arbeit niederlegen.

Mit Beginn der Tagesschichten am Mittwoch soll die Zahl der bestreikten Betriebe bundesweit auf mehr als 80 steigen, wobei der Schwerpunkt der ersten Streikwelle zunächst im Maschinen- und Fahrzeugbau liegt. Betroffen sein werden laut IG Metall unter anderem Standorte des Fahrzeugbauers MAN und des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen in Bayern. Die meisten Bezirke gaben zunächst keine Informationen frei.

Mit ihren 24-Stunden-Streiks will die Gewerkschaft in der festgefahrenen laufenden Tarifauseinandersetzung den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Am Samstag waren die Gespräche im Pilotbezirk Baden-Württemberg gescheitert - vor allem am Streit über einen von der IG Metall geforderten Zuschuss für Beschäftigte mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder in Schichtarbeit, den die Arbeitgeberseite strikt ablehnt.

Bundesweit will die IG Metall von Mittwoch und Freitag in über 250 Betrieben zeitlich gestaffelt zu Arbeitsniederlegung aufrufen. Zugleich bereitet sie darüber hinaus bereits mögliche flächendeckende Streiks ab kommender Woche vor.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warf der Arbeitgeberseite vor, es auf den Abbruch der Gespräche "angelegt" zu haben. Sie sei "entsprechend vorbereitet" gewesen, sagte er am Dienstag im "Tagesspiegel". Deren Verhandlungsangebot bis dahin nannte der Gewerkschaftschef "unanständig". Die Konjunktur laufe hervorragend, die Ertragslage der Unternehmen sei extrem gut.

Die 24-Stunden-Warnstreiks sind ein neues Streikkonzept der IG Metall, das sie bislang noch nie nutzte. Warnstreiks dauern üblicherweise nur wenige Stunden. Anders als bei richtigen flächendeckenden Streiks ist dafür aber keine Urabstimmung der Mitglieder eines ganzen Gewerkschaftsbezirks nötig. Die Mitarbeiter des warnstreikenden Betriebs entscheiden allein.