Ifo-Präsident kritisiert EZB vor Leitzins-Entscheidung

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat die Europäische Zentralbank (EZB) als zu zögerlich kritisiert und eine deutliche Erhöhung des Leitzinses gefordert. "Ich halte eine Erhöhung von 0,75 Prozentpunkten für richtig", sagte Fuest der Mediengruppe Bayern (Donnerstagsausgaben). Die EZB müsse endlich ernsthaft die Inflation bekämpfen.

"Wir kommen von einer extrem expansiven Geldpolitik", führte Fuest aus. Die von ihm geforderte Zinserhöhung sei daher keine Straffung, sondern eine Normalisierung. "Wer bei fast zehn Prozent Inflation nicht willens ist, die Geldpolitik zu normalisieren, hat seinen Job verfehlt", sagte er dem "Tagesspiegel".

Die EZB berät am Donnerstagnachmittag in Frankfurt auf ihrer Ratssitzung über Maßnahmen gegen die hohe Inflation und die Schwäche des Euro. Nachdem die Zentralbänker im Juli erstmals seit elf Jahren die Leitzinsen auf bis zu 0,75 Prozent erhöht hatten, steht nun wohl eine weitere bedeutende Anhebung bevor. Höhere Zinsen gelten als Mittel gegen die Teuerung - sie wirken aber auch bremsend auf das Wirtschaftswachstum.

"Man darf nicht erwarten, dass das kurzfristig wirkt", mahnte Ifo-Chef. "Im Moment ist die Inflation sehr stark geprägt von der Energiepreissteigerung und natürlich auch von Kostensteigerung in anderen Bereichen, das wird auch erstmal so weiter gehen", sagte er dem Radiosender Bayern2.

Fuest warnte insbesondere vor eine Preis-Lohn-Spirale, sollten sich Haushalte und die Unternehmen dauerhaft höhere Inflationsraten einstellen. "Es geht darum, das zu verhindern." Den Frankfurter Zentralbänkern warf er vor, zu spät zu reagieren. "Aber besser spät als nie."

Mehrere bedeutende Zentralbanken weltweit hatten in den vergangenen Wochen bereits das Zinsniveau deutlich stärker erhöht. In den USA liegen die Leitzinssätze bei zwischen 2,25 und 2,5 Prozent, in Kanada wurde es am Mittwoch auf 3,25 Prozent angehoben. Mit Blick auf die EZB wird nicht mit einer Anhebung auf dieses Niveau gerechnet.

pe/mt