Ifo-Präsident: Deutscher Kohleausstieg hilft dem Klima nicht

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Ein deutscher Ausstieg aus der Kohleverstromung würde dem Klima nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest nichts nützen. Denn die EU hat Obergrenzen für den CO2-Ausstoß festgelegt: Je weniger Klimagas Industrie und Energieversorger ausstoßen, desto weniger Emissionsrechte müssen sie kaufen. Wenn deutsche Kraftwerke künftig weniger Verschmutzungsrechte brauchen, sinkt deren Preis im europäischen Emissionshandel - und in anderen Ländern werde "mehr in die Luft gepustet", erklärte Fuest am Mittwoch in München. "Für das Weltklima ist es völlig egal, ob Deutschland aussteigt oder nicht." Aber "vielleicht geht es nur ums Image".

Die Grünen sind mit der Forderung, die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke sofort abzuschalten und den Rest bis 2030, in die Koalitionsgespräche mit Union und FDP gegangen. Inzwischen zeigen sie sich hier kompromissbereit.

Fuest sagte, wenn Deutschland tatsächlich etwas für das Klima tun wolle, müsse die Regierung dafür sorgen, dass es weniger Verschmutzungs-Zertifikate gebe. Auch EU-Parlament und Wirtschaftsverbände haben sich für eine stärkere Verknappung der Emissions-Zertifikate ausgesprochen. Seit 2005 will die EU Unternehmen mit dem Emissionshandel zwingen, mehr in saubere Technik zu investieren. Wer CO2-Emissionsrechte übrig hat, kann sie weiterverkaufen. Jedes Jahr schrumpft die Menge der ausgegebenen Verschmutzungsrechte leicht.