Ifo-Institut senkt Konjunkturerwartung für 2021 deutlich

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Fertigung in einem Autowerk (AFP/RONNY HARTMANN)

Die gesamtwirtschaftliche Erholung in Deutschland nach der Corona-Pandemie verzögert sich weiter: Das Münchner Ifo-Institut senkte seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich auf ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent ab - im Sommer waren die Forscher noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,3 Prozent ausgegangen. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) zeichnete hingegen ein optimistischeres Bild. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion bezeichnete die Ifo-Prognose als "Nackenschlag".

"Die ursprünglich für den Sommer erwartete kräftige Erholung nach Corona verschiebt sich weiter", erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die deutsche Konjunktur ist demnach derzeit "gespalten". Während sich die von Kontakten geprägten Dienstleistungsbereiche derzeit "kräftig" von der Corona-Krise erholen und zum Wachstum beitragen, schrumpft die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe wegen Lieferengpässen bei wichtigen industriellen Vorprodukten, wie es in der Ifo-Herbstprognose heißt.

Für das kommende Jahr erwartet das Institut dann einen BIP-Zuwachs von 5,1 Prozent - 0,8 Punkte mehr als noch im Sommer. Im Jahr 2023 könnten es demnach nur noch 1,5 Prozent sein.

Der Arbeitsmarkt erholte sich zuletzt laut Ifo-Institut weiter. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass die Kurzarbeit im kommenden Jahr wieder unter das Vorkrisenniveau sinken wird. Bei der Arbeitslosigkeit dürfte hingegen erst im Jahr 2023 mit geschätzten 2,27 Millionen Arbeitslosen wieder das Niveau des Jahres 2019 erreicht werden.

Der Bankenverband zeichnete in einer Konjunkturprognose am Mittwoch ein optimistischeres Bild: Trotz zunehmender Risiken für die deutsche Konjunktur rechneten die Chefvolkswirte der privaten Banken in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent im laufenden Jahr. Für 2022 prognostizierte der BdB ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent.

Die Konjunkturentwicklung habe sich zwar "ein bisschen verlangsamt", sei aber insgesamt noch "sehr dynamisch", sagte der Chefökonom für Deutschland der Deutschen Bank, Stefan Schneider. Dämpfende Faktoren seien unter anderem Lieferengpässe bei Halbleitern und die zeitweise Schließung wichtiger Häfen. Positiv wirke sich hingegen die "massive Unterstützung sowohl der Geld- als auch der Fiskalpolitik" aus und die Tatsache, dass derzeit keine erneuten harten Lockdowns im Rahmen der Corona-Pandemie absehbar seien.

Ein weiterer positiver Treiber der Konjunktur sei der derzeit starke private Konsum, erklärte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. "Wir rechnen für 2022 mit einem Plus von sieben Prozent beim privaten Verbrauch", erklärte er. "Das 'Zwangssparen' durch Corona scheint vorbei zu sein, die Nachholeffekte werden bis ins nächste Jahr hinein tragen". Bei einer Wachstumsrate von 3,3 Prozent könnte die deutsche Wirtschaft ihr Vorkrisenniveau demnach bereits bis zum Jahresende wieder erreichen.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Reinhard Houben, bezeichnete die herabgesetzte Ifo-Wachstumsprognose am Mittwoch als "Nackenschlag für die deutsche Wirtschaft". Die von der Bundesregierung beschworene wirtschaftliche Erholung bleibe somit ein "Luftschloss". Den Grund für den verlangsamten Aufschwung sah Houben in einer "ambitionslosen Wirtschaftspolitik" der Bundesregierung. Aufgabe einer neuen Bundesregierung müsse es sein, "eine neue Wachstumsdynamik zu entfachen".

fho/jm

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