Ifo-Institut: Fallende Importpreise treiben Exportüberschuss

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Preisrückgang bei Öl und Gas lässt laut einer Analyse des Münchner Ifo-Instituts den international viel kritisierten deutschen Exportüberschuss anwachsen. Die Preise der deutschen Ausfuhren blieben demnach von 2013 bis 2016 weitgehend unverändert, doch die Importe wurden billiger. "Dieser Preiseffekt hat in den Jahren 2013 bis 2016 den Überschuss um 2,1 Prozentpunkte der Jahreswirtschaftsleistung steigen lassen", sagte am Donnerstag ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser.

Den größten Anteil daran habe der Rückgang der Öl- und Gaspreise gehabt. Im Sommer 2015 hatte der Leistungsbilanzüberschuss einen Rekordwert von 9,3 Prozent an der Wirtschaftsleistung erreicht. "Mittlerweile ist er wieder zurückgegangen auf gut acht Prozent", sagte Wollmershäuser. Wenn Öl und Gas durch eine Belebung der Weltkonjunktur teurer werden sollten, wird nach Ifo-Prognose der umgekehrte Effekt eintreten: Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss würde sinken und sich "wieder dem 6-Prozent-Wert nähern, den die EU-Kommission gerade noch für verträglich hält", sagte er.

Prominentester Kritiker des deutschen Exportüberschusses ist US-Präsident Donald Trump. Auch viele Volkswirte im Ausland halten es aber für sinnvoll, wenn die Deutschen mehr im Inland investieren und den Konsum anheizen würden.

Abgesehen davon sind die deutschen Exporteure laut Ifo in Hochstimmung. Der Index der Exporterwartungen stieg von 17,7 im Juni auf 20,9 Punkte im Juli. Der jüngste Höhenflug des Euro habe offenbar keine negativen Auswirkungen. Nahezu alle wichtigen Branchen der Industrie gingen von einem Anstieg ihrer Exporte aus.