"Jede Idee, die die Welt sicherer machen kann, braucht eine Bühne"

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"Jede Idee, die die Welt sicherer machen kann, braucht eine Bühne"

Zusammen mit der WirtschaftsWoche zeichnet die Prüforganisation DEKRA jedes Jahr Projekte aus, die Alltag und Arbeitsleben sicherer machen. Drei Projekte stachen in diesem Jahr besonders hervor.


Wer Spitzenleistungen im Bereich der Sicherheit erbringt, der sollte belohnt werden – das ist das Motto des DEKRA-Awards. Seit 2013 können sich jedes Jahr Projekte in den Kategorien „Sicherheit im Verkehr“, „Sicherheit bei der Arbeit“ und „Sicherheit zu Hause“ für diese Auszeichnung bewerben.

„Jede Idee, Innovation, Initiative, die die Welt ein Stück sicherer machen kann, braucht eine Bühne“, sagt DEKRA-Chef Stefan Kölbl. Aus den 42 eingegangenen Projekten hat die Jury drei Gewinner ausgewählt, die mit ihren Ideen und ihr Engagement für mehr Sicherheit sorgen. Innovationsgrad, Wirksamkeit und Übertragbarkeit der präsentierten Lösungen gehörten zu den Entscheidungskriterien für die Expertengremien.

Zu den überzeugendsten drei Projekten gehören in diesem Jahr die Ideen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats e.V., der Caverion Deutschland GmbH sowie der Pflasterpass GmbH.


Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat überzeugte die Jury in der Kategorie „Sicherheit im Verkehr“ mit der sogenannten „German Road Safety-App“. Der 1969 gegründete Verein hat seinen Schwerpunkt auf Menschen gelegt, die die Verkehrsstandards in Deutschland nicht kennen: Zuwanderer.

Der Grundgedanke war es, jedem in Deutschland das Erlernen und Einhalten der Verkehrsregeln zu erleichtern. Die Besonderheit dieser technischen Alltagshilfe ist mitunter die Mehrsprachigkeit und die spielerische Bedienung. Die Nutzer können beispielsweise zwischen Englisch und Arabisch auswählen. „Wir haben nach einer Gemeinsamkeit bei den Menschen gesucht, die zu uns nach Deutschland kommen“, sagt Marc-Philipp Waschke, Referent Geflüchtete und zugewanderte Menschen und ergänzt: „Die meisten Flüchtlinge haben ein Smartphone, also erreichen wir sie über eine App am schnellsten.“ Der Führerscheinerwerb soll ebenfalls erleichtern werden. Das kann laut Waschke die Türen für eine neue Arbeitsstelle öffnen.


Der Verein untermauert die Besonderheit seines Projekts damit, dass die Mobilität eine aktivere Teilnahme an der Gesellschaft ermögliche. Je mobiler, desto schneller die Integration ist das Kredo. Aber nicht nur geflüchtete Menschen, sondern auch Touristen könnten von der Safety-App profitieren. Waschke betont: „Je sicher sich Fremde im Verkehr fühlen, desto sicherer ist das mobile Miteinander.“ Kurze Videos und Animationen helfen den Nutzern, Verkehrsstandards besser zu verstehen.

In der Kategorie „Sicherheit bei der Arbeit“ heißt der Sieger Caverion Deutschland GmbH, ein Unternehmen mit dem Schwerpunkt technische Gebäudeausrüstung und integriertes Facility Management. Caverion hat die Jury der DEKRA-Awards mit einer emotionalen Kampagne überzeugt. Unter dem Motto „Oben bleiben!“ will das Unternehmen seine Mitarbeiter für Leiterunfällen sensibilisieren. Die Kampagne macht besonders auf die Unfallgefahr aus Unachtsamkeit bei geringen Höhen aufmerksam. Dort ereignen sich etwa 40 Prozent aller Leiterunfälle.


Kulturwandel im Unternehmen

Im Zuge der Kampagne erhielten die Mitarbeiter Post. Das verschickte Info-Paket bestand aus dem persönlichen Brief eines verunglückten Kollegen, einer Krankenakte mit Röntgenbild und einer Pappleiter, auf der die Unfallhäufigkeit im Verhältnis zur Leiterhöhe gekennzeichnet ist.


„Wir wollten mit dieser Kampagne das Bewusstsein unserer Mitarbeiter für Gefahrensituationen am Arbeitsplatz stärken“, erklärt Marketingmanager Daniel Hillesheim. Es gehe darum, einen Kulturwandel im Unternehmen anzustoßen, damit das Arbeitsumfeld sicherer werde. Die Post zeigte Wirkung, das Unternehmen schaffte mit der authentischen Erfahrung des betroffenen Kollegen die Lebensnähe. Diese Nähe machte den Mitarbeitern bewusst, dass sie anstelle ihres verunglückten Kollegen sein könnten. Der Leiter der Arbeitssicherheit und Gesundheit bei Caverion Deutschland, Franz Wudy, ist sich aber sicher: „Man darf sich nicht auf dem Erfolg ausruhen, sondern stetig Sicherheitskonzepte weiterentwickeln.“

Der dritte Preisträger, die Pflaster gGmbH, ist eine Organisation, die Kinder im Alltag für Unfälle und Gefahrensituationen sensibilisiert. Sie überzeugte die Jury mit dem Pflasterpass-Programm, in dem Vier- bis Achtjährige an das Thema „Erste Hilfe für Kinder“ herangeführt werden. Die Organisation gibt bundesweit Workshops, in denen Kinder spielerisch ihren Pflasterpass erwerben können.

„Das gleicht dem Prinzip des Seepferdchens beim Schwimmen“, erläutert Frank M. Liehr, der Gründer von Pflasterpass, das Projekt. Ziel sei es, Kinder bundesweit für die Erste Hilfe zu sensibilisieren und gleichzeitig ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. „Wenn Kindern Unfälle widerfahren“, so Liehr weiter, „dann sind die Ersten am Unfallort andere Kinder.“ Wissen sie, was zu tun ist, kann potentiell Betroffenen viel schneller geholfen werden. Folglich erlernen Kinder mit der pädagogisch richtigen Aufarbeitung Hilfsbereitschaft, richtiges Handeln für sich und andere sowie Erste-Hilfe-Grundlagen für eine selbstbewusste und sichere Reaktion in Notfallsituationen.