IBM stellt futuristischen neuen Wachstumstreiber vor

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Die Transformation von IBM (WKN:851399) hat bewirkt, dass sich das Unternehmen auf die „strategischen Imperative“ konzentriert: Analytik im kognitiven Computing, Cloud Computing, Datensicherheit, soziale und mobile Anwendungen.

Diese Verschiebung des Geschäftsmodells ist der Grund, warum IBM seit Jahren vierteljährliche Umsatzrückgänge zu verzeichnen hat. Solche einschneidenden Veränderungen erfordern Zeit, insbesondere für ein Unternehmen dieser Größe. Und wie IBM mit der Enthüllung seines wachsenden Q-Netzwerks demonstrierte, setzt es sich auch weiterhin mit zukunftsweisender Technologie auseinander.

Jetsons, wir kommen

Heutige Computer speichern und verarbeiten Daten auf der Basis einer Reihe von Bits mit einem Wert von 1 oder 0. Aber Quantencomputer, die bis vor kurzem nur theoretisch waren, verarbeiten Daten mit Hilfe von Qubits, in denen sowohl eine 1 als auch eine 0 zur gleichen Zeit und alle Zustände dazwischen dargestellt werden können. Das Ergebnis ist ein Computer, der in der Lage ist, Lösungen für enorm komplexe Probleme in bisher nicht gekannter Geschwindigkeit zu liefern.

IBM hat sich schon eine Weile mit Quantencomputing beschäftigt, aber es war bisher nicht spruchreif – bis jetzt. Das Q-Netzwerk hat nicht nur zahlreiche Partnerschaften geschlossen, um das Quantencomputing zu erforschen, sondern auch einige der weltweit führenden Institutionen als Kunden gewonnen.

JPMorgan wird direkt mit IBM-Wissenschaftlern zusammenarbeiten und Cloud-zugängliche Open-Source-Entwicklertools einsetzen, um finanzrelevante Anwendungen wie die Risikoanalyse zu erforschen. Technologieführer Samsung will herausfinden, wie Quantencomputer das Design und die Fertigung von Halbleitern verbessern können.

Der deutsche Automobilkonzern Daimler AG sieht in Quantencomputing ein Potenzial für das Routing von Flotten autonomer Autos und ein Werkzeug, das zu einer verbesserten Fertigung führen kann. Die kommerzielle Einführung von IBMs 20 Qubit Cloud-basiertem Quantencomputer ist ein Gewinn für sich. Aus der Sicht eines Investors sind die zahlreichen Branchen, aus denen IBMs neue Kunden kommen, noch interessanter.

Es gibt nahezu unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für ein Tool mit der erwarteten Leistungsfähigkeit des Quantencomputings, was IBM ein breites Publikum potenzieller Kunden beschert. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass sich Kunden für die Cloud, Quantencomputer, Analyse- und Datensicherheitsangebote als Paket anmelden.

Fahrt aufnehmen

Die Fortschritte, die es im Bereich des Quantencomputings macht, dürften dem bereits wachsenden strategischen Imperativgeschäft von IBM letztlich Auftrieb geben. Aber der Markt konzentriert sich nach wie vor auf den Gesamtumsatz und nicht auf die Ergebnisse strategischer Imperative, was erklärt, warum IBM-Aktien mit einem mageren 10,8-fachen erwarteten Gewinn gehandelt werden.

Obwohl die Gesamteinnahmen des letzten Quartals mit 19,2 Mrd. US-Dollar stagnierten, war der Umsatz mit 8,8 Mrd. US-Dollar bei den kombinierten strategischen Imperativen um 11 % höher als vor einem Jahr. Fast die Hälfte des Umsatzes der Kernsegmente von IBM – 4,1 Milliarden US-Dollar, um genau zu sein – stammte aus den steigenden Cloudumsätzen. IBM rühmt sich nun einer jährlichen Umsatzrate von 15,8 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Einer der wenigen Anbieter, der mehr Cloud-Einnahmen generiert als IBM, ist sein langjähriger Partner und Konkurrent Microsoft (WKN:850747).  Mit 20,4 Milliarden US-Dollar jährlichem Cloudumsatz ist Microsoft ebenso fokussiert wie IBM auf den wachsenden Marktanteil. Microsoft hofft auch, einen Vorteil durch Quanten-Computing zu bekommen. Im Gegensatz zu IBM ist Microsofts Einstieg in die Technologie jedoch noch nicht für den kommerziellen Einsatz bereit.

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Technologieträger sind ihre jeweiligen Bemühungen, den Cloud-Umsatz durch die Fokussierung auf Software as a Service (SaaS) zu steigern. Die meisten Experten sind sich einig, dass Software- und Servicelösungen, die über die Cloud bereitgestellt werden, den Anbietern den größten Vorteil bieten. Nahezu zwei Drittel des 12-monatigen Cloud-Erlöses von IBM – 9,4 Milliarden US-Dollar – entfielen auf den Service.

Obwohl die Ausgaben im letzten Quartal flach waren, hat das Unternehmen im Jahr 2017 8 % seiner gesamten Ausgaben eingespart. Die gute Nachricht ist, dass Kostensenkungen die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen von IBM nicht behindert haben.

Angesichts der niedrigen Bewertung, des Wachstums in Bereichen, wo es darauf ankommt, einer branchenführenden Dividendenrendite von 3,9 % und einer unübertroffenen Palette an innovativen Lösungen sollten sowohl Value- als auch Income-Anleger einen langen Blick auf IBM werfen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Teresa Kersten ist Mitarbeiterin von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist ein Tochterunternehmen von Microsoft.

Dieser Artikel von Tim Brugger erschien am 23.12.17 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017