Ist die IBM Corp. ein Kauf?

Anders Bylund, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die gute alte IBM (WKN:851399) stürmte ins Jahr 2018 mit einer Fülle von rosigen Management-Kommentaren, einigen neuen Analysten-Upgrades und einer soliden Marktdynamik. Zwei weniger beeindruckende Gewinnmeldungen später notiert die Big Blue-Aktie 14 % unter den 52-Wochen-Höchstständen vom Januar.

Die Aktie von IBM kostet nur noch das 11-fache des freien Cashflows. Wäre dies ein guter Zeitpunkt, um ein paar Aktien des Technologieriesen zu erwerben? Lass uns einige Anhaltspunkte in IBMs letztem Quartalsbericht finden.

Ein Lehrstück der jüngeren Geschichte

Der Bericht für das zweite Quartal hat die Erwartungen der Wall Street auf breiter Front übertroffen, und die Aktienkurse stiegen am nächsten Tag sogar um 4,2 %. Im Januar wurde eine fünfjährige Phase des negativen Umsatzwachstums im Vorjahresvergleich durchbrochen, und IBM hat nun eine erfreuliche Gewohnheit des positiven Wachstums entwickelt.

Investoren und Analysten sehen am Ende dieses langen, dunklen Tunnels Licht.

IBMs langfristiger Umsatzrückgang resultiert aus dem Bestreben, das Unternehmen für weitere Jahrzehnte relevant zu halten. Das alte Modell, das einen One-Stop-Shop für alles bot, was ein Rechenzentrum im Zeitalter der firmeninternen Server und Speichersysteme benötigt hätte, war so erfolgreich, dass Konkurrenten von Oracle (WKN:871460) bis Hewlett Packard Enterprise (WKN:A140KD) begannen, IBMs Vorgehen zu kopieren.

Und genau das war der Moment, als der damalige CEO Sam Palmisano zurücktrat, um Platz für neues Denken und frisches Blut zu machen. Unter der derzeitigen Leitung von Ginni Rometty hat IBM die meisten seiner margenschwachen Hardware-Geschäfte ausgegliedert oder verkauft, um sich auf eine neue Kollektion von wachstumsstarken Geschäftsbereichen zu konzentrieren – im Hinblick auf die langfristige Zukunft.

Diese so genannten „strategischen Imperative“ von IBM umfassen Ideen wie Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Datensicherheit und tiefe Datenanalyse.

Da kommt ein großer Sprung auf uns zu.

Erneut folgen HP und Oracle dem Beispiel von IBM. Der Markt verändert sich und jeder muss sich mit ihm verändern. IBM hat das vor der Konkurrenz gesehen und sofort gehandelt. Das war aus langfristiger Sicht absolut die richtige Entscheidung, auch wenn sie zu einigen Jahren voller Umsatzschwäche und Börsenschmerzen führte.

Das Unternehmen ist dabei, nach oben zu drehen, wie zwei wichtige Kennzahlen zeigen:

  • Der Umsatz wächst wieder, was darauf hindeutet, dass IBM 2017 den Tiefpunkt des Zyklus erreicht hat und bereit ist, wieder aufzusteigen.
  • Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von IBM entfiel im zweiten Quartal auf die strategische Imperative. Das ist das erste Mal.

Die beiden Punkte sind offensichtlich eng miteinander verbunden, da strategische Imperative sowohl das Umsatzwachstum von IBM als auch den Trend zur Margenausweitung antreiben. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz der strategischen Imperative gegenüber dem Vorjahr um 15 %, während IBM insgesamt einen bescheideneren Umsatzanstieg von 4 % verzeichnete.

Dennoch ist die Aktie von IBM wieder auf dem Stand von vor 52 Wochen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 14 % verzeichnete. Du hast bereits das mickrige Verhältnis von Preis und Free-Cashflow gesehen.

Dieser Traditionskonzern steht kurz vor dem Durchbruch, aber viele Investoren werden es verpassen. In meinen Augen ist IBM im Moment eine klare Sache. Mr. Market wird irgendwann zur Vernunft kommen und IBM die erstklassige Bewertung geben, die sie verdient. Er wird nur etwas Zeit brauchen, um die Enttäuschungen der letzten fünf Jahre abzuschütteln.

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Anders Bylund besitzt Aktien von IBM. The Motley Fool besitzt Aktien von ORCL und hat die folgenden Optionen: long Januar 2020 $30 Calls auf ORCL.

Dieser Artikel von Anders Bylund erschien am 24.07.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018