IAB: Niedrige Arbeitslosigkeit Grundstein für Abbau von Staatsdefizit

dpa-AFX

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die seit Jahren sinkende Arbeitslosigkeit hat nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern wesentlich zum Abbau des deutschen Staatsdefizits beigetragen. Noch 2004 hätten die sogenannten gesamtfiskalischen Kosten der Arbeitslosigkeit 4,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen; dagegen machten sie 2016 nur noch einen Anteil von 1,77 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Zahlen für 2017 liegen der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit noch nicht vor.

"Wäre dieser Prozentsatz nicht gesunken, hätte die Belastung der öffentlichen Haushalte 2016 um 76 Milliarden höher gelegen", sagte der IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist der Grund, warum Deutschland fiskalisch im vergangenen Jahrzehnt rote Zahlen geschrieben hat und heute schwarze Zahlen schreibt." Die Zahlen zeigten, welche große Bedeutung der Arbeitsmarkt für stabile Staatsfinanzen habe, sagte Weber.

Im Jahr 2016 betrugen die Kosten der Arbeitslosigkeit nach IAB-Berechnungen rund 55,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2015 sei dies lediglich ein Rückgang um 0,9 Prozent gewesen, da zugleich die Kosten pro Arbeitslosen gestiegen seien. Zu den Kosten gehören staatliche Ausgaben für Arbeitslosengeld sowie - im Falle von Hartz-IV-Beziehern - für Unterkunft und Heizung. Mit 30,3 Milliarden Euro machten sie 55 Prozent der Gesamtkosten aus. Da Arbeitslose zudem keine Steuern und nur geringe Sozialversicherungsbeiträge zahlten, seien 2016 noch 25 Milliarden Euro entgangene Steuereinnahmen und Sozialbeiträge dazu gekommen.