Der Hyperloop muss neu gedacht werden – sonst scheitert er

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In mehreren Ländern wird an ersten Hyperloop-Strecken gearbeitet.
In mehreren Ländern wird an ersten Hyperloop-Strecken gearbeitet.

Viel hat man vom Hyperloop in den vergangenen Jahren nicht mehr gehört. Das 2013 von Elon Musk vorgestellte Konzept sieht vor, Hochgeschwindigkeitszüge durch eine luftleere Röhre fahren zu lassen. Dabei sollen Geschwindigkeiten von 1.200 Stundenkilometer erreicht werden können. Damit könnte man, so die Idee, das Flugzeug auf vielen Strecken überflüssig machen. Würde der Hyperloop mit Ökostrom betrieben, wäre der Transport sogar klimaneutral. Fertig entwickelt ist der Hyperloop nach acht Jahren aber noch immer nicht. Doch die Pläne für die Errichtung der ersten Strecken werden konkreter.

Entwicklung kommt teilweise voran

Die technischen Hürden für den Betrieb sind hoch. Das Unternehmen Virgin Hyperloop hat im vergangenen Jahr zumindest schon mal bewiesen, dass auch Menschen transportiert werden können. Wenn auch nur auf kurzer Strecke. Ganze 6,3 Sekunden dauerte die Fahrt für zwei Passagiere. Die Transportkapsel erreichte gerade mal 170 Kilometer pro Stunde. Auch wenn das ein erster Schritt ist, geben die Entwickler zu, dass es nicht leicht sein wird, die anvisierte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Denn bei den enormen Geschwindigkeiten gibt es Sicherheitsbedenken beim Passagiertransport.

Eine mögliche Freigabe der Behörden für den Transport von Menschen dürfte sich also noch hinziehen. Auf der anderen Seite müssen die Startups, die sich dem Hyperloop verschrieben haben, riesige Investitionen stemmen. Zweistellige Milliarden Summen stehen hier im Raum. Und es gibt keine Garantie dafür, wann ein Hyperloop samt Passagieren durch die Röhren rasen darf. Daher planen einige Hyperloop-Unternehmen schon jetzt um.

Ideale Lösung für die Logistik

Das kanadische Unternehmen Transpod etwa hat das Interesse der Landesregierung mit einer Strecke zwischen Calgary und Edmonton geweckt. Eine 300 Kilometer lange Trasse im Bundesstaat Alberta soll die beiden Metropolen miteinander besser verbinden. Bisher gibt es nur zwei Autobahnen, die den intensiven Verkehr bewältigen. Anstatt aber nur mit dem Transport von Passagieren zu kalkulieren, hat sich Gründer Sebastien Gendron darauf verlegt, vor allem Güter in den Hyperloop zu bringen. Man könne die Waren mit 600 Stundenkilometer zwischen den Städten bewegen, was die Lieferzeiten um ein bis zwei Tage verkürzen würde.

Das gesamte Projekt hat ein Investitionsvolumen von 15 Milliarden Euro. Gendron sucht die Unterstützung von Logistikunternehmen, die laut des Gründers großes Interesse gezeigt haben. Denn Transpod verspricht, dass die Kosten pro transportierter Tonne nicht mal die Hälfte des heutigen Preises betragen werden.

Die Idee, den Hyperloop zunächst nur für die Logistik zu nutzen, hat auch in anderen Städten Anklang gefunden. In den Niederlanden denkt man darüber nach, Amsterdam mit dem Hafenstadt Rotterdam mittels Hyperloop zu verbinden. Die Strecke wäre gerade einmal 80 Kilometer lang und soll nur für den Warenverkehr genutzt werden. Hinter der Idee steckt das Startup Hardt, in das auch der deutsche Investor Frank Thelen investiert hat.

So soll der Lkw-Verkehr um bis zu 80 Prozent reduziert werden, was die CO2-Emissionen des Landes wiederum massiv senken könnte. Sollte sich die Strecke als rentabel erweisen, plant das Unternehmen auch schon die Ausweitung auf ganz Europa. Auch hier soll zunächst die Logistikbranche im Fokus stehen. Menschen sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt transportiert werden. Immerhin ist das Projekt schon in einer konkreten Planungsphase.

Chancen für Investoren

Da es in der Logistik nie schnell genug gehen kann, ist der Hyperloop für die Branche eine reizvolle Idee. Der Hyperloop ist schneller als jede Drohne und sollte auch kostengünstiger mehr Waren über größere Strecken transportieren können. Auch die Streckenplanung ist einfacher, wenn man nur Waren bewegt. Die Start- und Endstationen können außerhalb der Städte liegen und die Strecken können durch schwach besiedelte Gegenden führen. Das würde das Genehmigungsverfahren erheblich erleichtern. Denn um die Baukosten des Hyperloop gering zu halten, müssen die Trassen überirdisch gebaut werden.

Der Hyperloop hat durchaus Potenzial. Investitionen, vor allem in strukturschwachen Ländern, können sich dank der Logistik schnell rentieren. Zwar dürfte die Fertigstellung der Technologie noch mindestens fünf weitere Jahre in Anspruch nehmen, aber viele Länder und Kommunen werden sich fragen, ob es nicht mehr Sinn ergibt in neue, bessere Transporttechnologien zu investieren, statt Geld in neue Bahnstrecken zu stecken.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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