Nach Hurrikan «Maria»: Dammbruch in Puerto Rico droht

Bewohner beladen einen Pkw in einer überfluteten Straße in Toa Baja (Puerto Rico) mit ihren geretteten Habseligkeiten. Foto: Carlos Giusti

Erst sucht Hurrikan «Maria» Puerto Rico heim, jetzt droht auf der Karibikinsel durch die Überschwemmungen auch noch ein Dammbruch. Viele Regionen sind abgeschnitten, die Todeszahlen steigen.

San Juan (dpa) - Auf der Karibikinsel Puerto Rico droht nach dem Durchzug von Hurrikan «Maria» der Bruch eines großen Staudamms. Rund 8000 besonders gefährdete Bewohner von Gemeinden unterhalb des Staudamms wurden dazu aufgerufen, sich dringend in Sicherheit zu bringen.

Die örtlichen Behörden beobachteten mit Sorge einen Riss in der Staumauer, der etwa 60 Zentimeter lang sei. Nach der Entdeckung des Risses wurden die unmittelbar von einer möglichen Überflutung gefährdeten Viertel in den Orten Isabela und Quebradillas evakuiert. Der Staudamm wird als Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung genutzt.

Die - noch inoffizielle - Zahl der Toten stieg nach Angaben der Zeitung «El Nuevo Dia» auf 16. Allein in der Stadt Toa Baja starben neun Menschen, wie Bürgermeister Bernardo «Betito» Márquez sagte.

Die Stadt wurde von starken Überflutungen getroffen, die einen Fluss in einen reißenden Strom verwandelten. Toa Baja liegt 30 Kilometer westlich der Hauptstadt San Juan. In ganz Puerto Rico ist der Strom ausgefallen, das Benzin ist knapp und die noch funktionierenden Tankstellen dürfen Benzin meist nur an offizielle Wagen für Rettungseinsätze abgeben. Mehrere Krankenhäuser können mangels Strom kaum noch arbeiten, auch Essen und Trinkwasser werden in dem US-Außengebiet knapp, das östlich der Dominikanischen Republik liegt.

«Die Zerstörungen sind enorm, es gibt Hunderttausende Personen, zu denen wir noch nicht gelangen konnten», sagte die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulín Cruz, dem US-Sender CNN. Fast alle 3,4 Millionen Einwohner der Insel seien weiter ohne Strom. Zudem seien zahlreiche Regionen von der Kommunikation abgeschnitten. Nur rund 25 Prozent haben derzeit Zugang zu Trinkwasser, hieß es. Es kam zu Plünderungen, Gouverneur Ricardo Rosselló Nevares hat eine Ausgangssperre von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens ausgerufen.

US-Präsident Donald Trump hatte den Katstrophenzustand für Puerto Rico ausgerufen. Damit bekommt das US-Außengebiet, wo viele Menschen in Armut leben, finanzielle Hilfen zum Beispiel für Notunterkünfte und Reparaturen. Trump sagte, Puerto Rico sei «vollkommen ausradiert» worden. Das US-Militär teilte mit, es werde mit sechs Hubschraubern und vier Transportflugzeugen Hilfsmaßnahmen unterstützen.

Puerto Rico ist bisher ein assoziierter Freistaat der USA, weshalb die Bürger sich nicht an Präsidentschaftswahlen beteiligen können. Die von der Pleite bedrohte Insel will aber der 51. Bundesstaat der USA werden. Dieser Wunsch müsste vom US-Kongress gebilligt werden.

Der internationale Flughafen Luis Muñoz Marín nahm schrittweise wieder den Betrieb auf. Zwar sind Linienflüge aus den USA zum Teil bis Dienstag gecancelt, aber erste militärische Hilfsflüge mit Zelten, Nahrung und Wasser erreichten die Insel. Zudem wurden aus New York Ingenieure eingeflogen, um bei der Wiederherstellung der Stromversorgung zu helfen. Seit 1928 wurde die Insel, die etwa so groß wie Zypern ist, nicht mehr so von einem Hurrikan getroffen.

Insgesamt wurden durch «Maria» in Puerto Rico, Dominica und Guadalupe bisher über 30 Menschen getötet. Der Hurrikan bewegte sich am Samstag Richtung Bahamas. Ausläufer könnten auch die USA treffen, wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte. Es wird erwartet, dass sich «Maria» weiter abschwächt. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 205 Kilometern pro Stunde ist «Maria» derzeit ein Hurrikan der Kategorie drei. Die höchste Kategorie liegt bei fünf.