Hurrikan-Region in Texas bereitet sich auf "dramatische Überschwemmungen" vor

Mit heftigen Winden und peitschenden Regenfällen haben die ersten Ausläufer von Hurrikan "Harvey" den US-Bundesstaat Texas erreicht. Präsident Donald Trump rief auf Bitte des texanischen Gouverneurs Greg Abbott den Notstand für den Bundesstaat aus

Der Riesen-Hurrikan "Harvey" hat die Menschen im US-Bundesstaat Texas seine ganze Wucht spüren lassen. Windböen mit mehr als 200 Stundenkilometern peitschten übers Land, Starkregen ließ die Überschwemmungsgefahr dramatisch steigen, hunderttausende Menschen waren auf der Flucht, etliche Haushalte waren ohne Strom. Im Laufe des Samstags verlor "Harvey" zwar an Kraft. Die Gefahr war damit aber nicht gebannt: Vielerorts drohten nun Starkregen und Überschwemmungen.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA (NHC) stufte "Harvey" am Samstagnachmittag (Ortszeit) zwar vom Hurrikan zum normalen Tropensturm herunter. Es warnte zugleich aber vor "dramatischen und lebensbedrohlichen Überschwemmungen". Die Lage sei "extrem ernst". Der Sturm bewege sich kaum noch weiter und werde in den kommenden Tagen große Mengen Regen aufs Land fallen lassen - an manchen Orten bis zu vier Meter.

Todesfälle durch "Harvey" waren bis Samstag nicht bekannt, sagte Gouverneur Greg Abbott. Wegen der Überschwemmungsgefahr seien die Bürger aber zu höchster Wachsamkeit aufgerufen.

Texas dürfte noch lange an den Folgen des Sturms leiden. "Der Wiederaufbau nach dieser Katastrophe wird Jahre dauern", sagte der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, im Sender MSNBC. "Für den Staat Texas wird das ein beispiellos langer und frustrierender Abschnitt."

"Harvey" hatte mit Geschwindigkeiten von 215 Stundenkilometern die Küste von Texas erreicht. Es war der stärkste Hurrikan seit mehr als zehn Jahren, der aufs Festland der USA traf. Das Hurrikanzentrum hatte den Wirbelsturm am Freitag auf die hochgefährliche Kategorie vier von insgesamt fünf heraufgestuft. Am Samstag stufte es "Harvey" wieder herunter.

Besonders schwer betroffen war der Küstenort Rockport . "Es gibt hier weit reichende Zerstörungen", sagte Bürgermeister C.J. Wax dem Sender MSNBC. "Wir haben Geschäfte und Häuser, die komplett zerstört wurden." In Rockport und der angrenzenden Großstadt Corpus Christi waren 190.000 Haushalte ohne Strom, in der Metropole Houston waren es 62.000.

US-Präsident Donald Trump rief auf Ersuchen von Gouverneur Abbott den Katastrophenfall für den Bundesstaat aus. Bundesmittel zur Behebung der zu erwartenden Sturmschäden können damit freigegeben werden, Texas aktivierte rund tausend Mitarbeiter der Nationalgarde. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders kündigte an, der Präsident werde Anfang kommender Woche nach Texas reisen.

Am Freitag waren hunderttausende Menschen vor "Harvey" in Sicherheit gebracht worden. Mehrere Gemeinden in Texas riefen die Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Auch Ölplattformen im Golf von Mexiko wurden geräumt. In der Hafenstadt Corpus Christi, einem wichtigen Knotenpunkt für die US-Ölindustrie, wurde der Flughafen evakuiert.

Die Behörden hatten die Bürger mit zum Teil drastischen Mahnungen ermutigt, sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Der beste Rat, den er geben könne, laute: "Raus hier - und zwar jetzt!", sagte Patrick Rios vom Bürgermeisteramt in Rockport. Die Verbliebenen forderte der Bürgermeister schroff auf, sich ihre Sozialversicherungsnummer auf den Arm zu schreiben, damit sie als Tote identifiziert werden könnten.

Die Rohölproduktion im Golf von Mexiko war am Freitag nach Behördenangaben zu 22 Prozent stillgelegt.

Auch für den benachbarten Bundesstaat Louisiana wurde heftiger Sturmregen durch "Harvey" erwartet. Sorgen gibt es vor allem in New Orleans, dem Zentrum der "Katrina"-Katastrophe vor zwölf Jahren. Der Bürgermeister der Großstadt, Mitch Landrieu, erklärte, Rettungsfahrzeuge und Boote stünden bereit. Evakuierungen waren in New Orleans zunächst nicht vorgesehen.