Hungerstreikender Lehrer in der Türkei wird aus der Haft entlassen

Nuriye Gülmen und Semih Özakca vor ihrer Festnahme

Ein Gericht in der Türkei hat entschieden, den hungerstreikenden Lehrer Semih Özakca aus der Haft zu entlassen. Die mitinhaftierte Literaturdozentin Nuriye Gülmen, die ebenfalls im Hungerstreik ist, muss dagegen im Gefängnis bleiben, wie das Gericht in Ankara am Freitag laut Özakcas Anwälten entschied. Die beiden Akademiker waren im März aus Protest gegen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst in den Hungerstreik getreten.

Wie Özakcas Anwälte der Nachrichtenagentur AFP sagten, wird ihr Mandant eine elektronische Fußfessel tragen müssen. Er dürfe seine Wohnung nur zur medizinischen Behandlung sowie für die Gerichtsanhörungen verlassen. Die nächste Sitzung sei für den 17. November angesetzt worden.

Bei den beiden ersten Anhörungen Mitte und Ende September hatte das Gericht noch gegen die Freilassung von Özakca entschieden. Bei der letzten Anhörung hatte der Grundschullehrer in seiner Verteidigung die Vorwürfe als "politisch" zurückgewiesen. Auch seine Frau Esra, die ebenfalls ihren Job als Lehrerin verloren hat, befindet sich seit Mai im Hungerstreik.

Gülmen und Özakca sind in der Türkei zum Symbol des Protests gegen die Massenentlassungen geworden, die seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 140.000 Staatsangestellte ihren Job gekostet haben. Sie hatten zunächst über Monate auf einem Platz in Ankara gegen ihre Entlassung protestiert, bevor sie am 9. März in den Hungerstreik traten.

Im Mai nahm die Justiz sie unter dem Vorwurf in Haft, zur verbotenen DHKP-C zu gehören. Die linksextreme Gruppierung verübt sporadisch Anschläge in der Türkei. Gülmen und Özakca weisen die Vorwürfe zurück und werfen der Justiz vor, sie durch das Verfahren zum Schweigen bringen zu wollen. Vor Prozessbeginn wurden mehrere Anwälte Gülmens festgenommen.

Laut ihren Angehörigen haben Gülmen und Özakca seit Beginn des Hungerstreiks im März 18 und 33 Kilogramm verloren. Demnach nehmen sie nur gezuckertes und gesalzenes Wasser, Kräutertee und Vitamin B1 zu sich. Ihr Protest hat zu einer breiten Solidarisierung geführt, doch drängen sie viele Unterstützer, nicht ihr Leben aufs Spiel zu setzen und ihren Hungerstreik abzubrechen.