Hungerstreikende Dozentin muss in der Türkei in Haft bleiben

Die hungerstreikende Dozentin Nuriye Gülmen muss in der Türkei weiter in Haft bleiben. Ein Richter in Ankara wies am Montag den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Freilassung Gülmens ab, wie ihr Anwalt Ömer Faruk Eminagaoglu der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Staatsanwaltschaft habe die Freilassung beantragt, da keine Fluchtgefahr bestehe. Der Richter habe den Antrag aber ohne Begründung abgewiesen.

Gülmen ist durch ihren mehr als achtmonatigen Hungerstreik sehr geschwächt. Sie hatte über Monate mit dem Lehrer Semih Özakca auf einem Platz in Ankara gegen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst protestiert. Im März waren die beiden dann in den Hungerstreik getreten, den sie auch nach ihrer Festnahme im Mai fortsetzten. Ihnen wird vorgeworfen, zur verbotenen linksextremen DHKP-C zu gehören.

Während Özakca im Oktober unter Auflagen freigelassen wurde, musste Gülmen weiter im Gefängnis bleiben. Özakca steht derzeit unter Hausarrest und darf das Land nicht verlassen. In der Türkei sind die beiden Akademiker zu Symbolfiguren der Proteste gegen die Massenentlassungen geworden, durch die seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 mehr als 140.000 Staatsbedienstete ihren Job verloren haben.

Özakca und Gülmen drohen im Fall einer Verurteilung wegen "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" 20 Jahre Haft. Der Prozess wurde auf Freitag vertagt.