Hungerstreik in der Türkei: Moralisch ungebeugt - Der Kampf von Nuriye und Semih

Zwei Akademiker protestieren mit vollem Körpereinsatz gegen Massenentlassungen.

Ihre Bilder zu zeigen und ihre Namen zu nennen, ist verboten. Wer das in der Öffentlichkeit tut, muss mit Schlägen rechnen, kann festgenommen und vor Gericht gestellt werden. Aber die Bilder und Namen sind trotzdem allgegenwärtig, in den sozialen Medien, auf Flugblättern, in Graffiti auf Hauswänden.

Die 35-jährige Universitätsassistentin Nuriye Gülmen und der 27-jährige Grundschullehrer Semih Özakca sind zu Symbolfiguren gegen die Massenentlassungen in der Türkei geworden, die inzwischen mehr als 150.000 Menschen trafen. Vor fünf Monaten begannen die beiden gekündigten Akademiker in Ankara einen Hungerstreik, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, ihre Jobs zurückzubekommen. Ende Mai wurden sie unter dem Vorwurf verhaftet, einer linken Terrororganisation anzugehören und für diese Propaganda gemacht zu haben.

„Kein unmittelbares Risiko“

Am Mittwoch hat nun der Europäische Menschenrechtsgerichtshof ihren Eilantrag auf Haftentlassung als unbegründet zurückgewiesen. Das Straßburger Gericht stellte in seiner Begründung fest, dass die Haft derzeit „kein unmittelbares Risiko eines irreparablen Nachteils für Leib und Leben der Antragsteller“ darstelle. „Das ist eine unfassbare Erklärung“, sagt Nuriye Gülmens Rechtsanwalt Engin Gökoglu in seiner Kanzlei in Ankara. „Wir haben mehrere medizinische Gutachten vorgelegt, die genau das belegen.“

Nachdem Gülmen und Özakca am 75. Tag ihres Hungerstreiks verhaftet worden waren, forderte die Staatsanwaltschaft 20 Jahre Gefängnis für sie. Innenminister Süleyman Soylu warf ihnen vor, einen neuen Aufstand im Stil der Gezi-Unruhen von 2013 anzetteln zu wollen. Andere Sprecher der Regierung beschuldigten sie, der verbotenen linksradikalen Terrorgruppe DHKP-C anzugehören, ohne dafür einen Beweis vorzulegen.

Vergangene Woche wurden sie ins Krankenhaus des Gefängnisses von Sincan bei Ankara verlegt, in dem vor allem politische Häftlinge einsitzen, denen eine Beteiligung am Putschversuch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vorgeworfen wird. Erdogan-Kritiker sagen, dass die...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung