Hunderttausende fordern Aberkennung von Suu Kyis Friedensnobelpreis

Die Regierungschefin Myanmars, Aung San Suu Kyi, nimmt nicht an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York. Stattdessen will sie zu ihrem Volk sprechen. Sie steht wegen ihres Schweigens zur Gewalt gegen die Rohingya-Minderheit in der Kritik

Die faktische Regierungschefin Myanmars, Aung San Suu Kyi, steht wegen der Unterdrückung der muslimischen Rohingya-Minderheit zunehmend in der Kritik: Mehr als 365.000 Menschen unterzeichneten bis zum Donnerstag eine Online-Petition mit der Forderung, Suu Kyi den Friedensnobelpreis wieder abzuerkennen. Die langjährige Oppositionelle habe in ihrer Rolle als faktische Regierungschefin "nahezu nichts unternommen, um dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrem Land zu stoppen", heißt es in der Petition.

Das Nobelkomitee schloss einen Erfolg der Petition allerdings aus. Nur die vor der Zuerkennung eines Nobelpreises erbrachten Leistungen würden vom Komitee bewertet, erklärte der Chef des Nobel-Instutes, Olav Njölstad. Alle später erfolgenden Handlungen hätten daher keinen Einfluss. Suu Kyi hatte den Friedensnobelpreis 1991 erhalten.

Am 25. August hatten im Westen Myanmars die seit Jahren heftigsten Kämpfe zwischen der Armee und Rohingya-Rebellen eingesetzt. In den vergangenen zwei Wochen flohen nach UN-Angaben rund 164.000 Menschen ins Nachbarland Bangladesch, größtenteils Rohingya.

Obwohl die Muslime teils seit Generationen in Myanmar leben, werden sie in dem mehrheitlich buddhistischen Land als illegale Einwanderer angesehen. Die Staatsangehörigkeit wird ihnen verwehrt, zahlreiche weitere Einschränkungen werden ihnen auferlegt.

Am Mittwoch erklärte Suu Kyi, die internationale Kritik wegen der Unterdrückung der Rohingya basiere auf "Fehlinformationen", das Ausland diene mit seiner Unterstützung für die Rohingya den "Interessen von Terroristen".

Bevor sie im Zuge politischer Reformen de facto das wichtigste Mitglied der Regierung Myanmars wurde, hatte Suu Kyi jahrzehntelang gegen die Militärjunta aufbegehrt. Sie wurde dafür ins Gefängnis gesperrt und bis 2010 unter Hausarrest gestellt. Den Friedensnobelpreis erhielt siche für ihren jahrelangen gewaltlosen Kampf für Demokratie.

Der von der Junta im Herbst 2010 eingeleitete demokratische Übergang mündete 2015 in die ersten freien Parlamentswahlen, aus denen Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie (NLD) als klare Siegerin hervorging.