Hunderte trauern bei Beerdigung um ermordeten serbischen Politiker

Beerdigung des serbischen Politikers Oliver Ivanovic

Hunderte Menschen haben am Donnerstag Abschied von dem am Dienstag getöteten serbischen Politiker Oliver Ivanovic genommen. Unter den Trauernden auf dem Belgrader Friedhof Novo Groblje waren neben der serbischen Ministerpräsidentin Ana Brnabic auch zahlreiche Kosovo-Serben aus dem Ort Mitrovica, wo Ivanovic am Dienstag erschossen worden war.

"Das ist eine Tragödie, wir haben den besten unter uns verloren", sagte einer von ihnen, der 44-jährige Aleksandar Jaksic. Ivanovic war am Dienstag aus einem Auto heraus erschossen worden, als er gerade in der Zentrale seiner Partei in Mitrovica im nördlichen Kosovo ankam. Über Täter und Motiv ist nach wie vor nichts bekannt.

Ivanovics gewaltsamer Tod hat die Furcht vor einer Eskalation der ohnehin angespannten Situation im nördlichen Kosovo verstärkt. Der Vorfall sprengte einen von der EU begleiteten Versuch, die Beziehungen zwischen dem Kosovo und Serbien zu normalisieren. Die Gespräche sollten am Tag von Ivanovics Ermordung fortgesetzt werden. Jetzt wurden sie auf unabsehbare Zeit vertagt.

Knapp zwei Jahrzehnte nach Ende des Kosovo-Krieges bleibt Mitrovica ein tief gespaltener Ort, in dem eine serbische Minderheit der albanischen Mehrheit gegenübersteht. Das Kosovo erklärte 2008 einseitig die Unabhängigkeit von Serbien. Belgrad und die Serben im Kosovo erkennen diese nach wie vor nicht an.

Der 64-jährige Ivanovic galt als moderater und dialogbereiter Politiker, trotz angeblicher Kriegsverbrechen während des Konflikts in den 90er Jahren. Er war der einzige hochrangige serbische Politiker im Kosovo, der sich offen gegen Belgrads Politik aussprach und regelmäßig von anderen Serben als "Verräter" bezeichnet wurde.