Londons Polizei in der Kritik nach Vorgehen gegen Mahnwache für ermordete Frau

James PHEBY
·Lesedauer: 3 Min.

Wegen ihres Vorgehens gegen eine Mahnwache für eine ermordete Frau gerät die britische Polizei unter Druck. Polizeibeamte legten am Samstagabend Teilnehmer der Mahnwache in Handschellen, die sich trotz strikter Corona-Einschränkungen im Süden Londons zum Gedenken an die 33-Jährige Sarah E. versammelt hatten. Zahlreiche Politiker kritisierten das harte Vorgehen.

"Die Szenen in Clapham heute Abend sind zutiefst verstörend", schrieb der britische Oppositionsführer Keir Starmer bei Twitter. "Ich teile ihre Wut und Bestürzung darüber, wie dies gehandhabt wurde. Das war nicht die richtige Art und Weise, diesen Protest zu überwachen." Auch der konservative Abgeordnete Steve Baker sprach von "unsäglichen Szenen" und forderte Premierminister Boris Johnson auf, "das Lockdown-Gesetz jetzt zu ändern".

Der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Ed Davey, forderte den Rücktritt der Polizeichefin der Metropolitan Police, Cressida Dick. Sie habe "das Vertrauen von Millionen Frauen in London verspielt". Die britische Innenministerin Priti Patel und Londons Bürgermeister Sadiq Khan forderten von der Polizei eine Erklärung für ihr Vorgehen.

Die ursprünglichen Organisatoren des Gedenkens, die Gruppe Reclaim These Streets, äußerte sich empört darüber, dass Polizeibeamte "Frauen bei einer Mahnwache gegen Gewalt von Männern grob behandeln".

Die Londoner Polizei verteidigte das Eingreifen der Beamten. Dieses sei notwendig gewesen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, sagte die stellvertretende Polizeipräsidentin Helen Ball. Wegen der dicht gedrängten Menge habe "ein sehr reales Risiko" von Coronavirus-Infektionen bestanden. Zudem habe "eine kleine Minderheit" die Polizisten beschimpft, geschubst und mit Gegenständen beworfen. Vier Teilnehmer wurden wegen Verstößen gegen die öffentliche Ordnung und die Corona-Auflagen festgenommen.

Die Organisatoren der Mahnwache hatten die Veranstaltung abgesagt, da sie von der Polizei aufgrund der Corona-Einschränkungen untersagt worden war. Hunderte Menschen setzten sich jedoch über das Verbot hinweg und kamen trotzdem in den Park. Die Demonstranten riefen den Polizisten "Schande über euch" zu, womit sie darauf anspielten, dass ein Elite-Polizist des Mordes an der jungen Frau beschuldigt wird.

Der Polizeibeamte, der einer Einheit zum Schutz von Parlamentariern und Diplomaten angehört, war am Dienstag festgenommen worden, nachdem Leichenteile der jungen Frau in einem Waldstück in der Grafschaft Kent im Südosten Englands unweit seines Hauses gefunden worden waren. Am Samstag wurde der 48-Jährige vor Gericht der Entführung und des Mordes beschuldigt. Ihm wird zusätzlich unsittliche Entblößung vorgeworfen.

Sarah E. hatte am Abend des 3. März die Wohnung einer Freundin in Clapham verlassen und war nie bei sich zu Hause angekommen. Das Verschwinden der jungen Frau und die darauf folgende Suche hatten das ganze Land schockiert und bewegt. Der Fall löste vor allem eine Debatte über die Sicherheit von Frauen aus.

Auch Premierminister Boris Johnson und seine Partnerin entzündeten eine Kerze im Gedenken an die ermordete Sarah E. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie unerträglich ihr Schmerz und ihre Trauer sind", schrieb er an die Angehörigen gerichtet auf Twitter. Johnsopn forderte eine schnelle Aufklärung des Verbrechens und versprach, "alles mir Mögliche zu tun um sicherzustellen, dass die Straßen sicher sind und Frauen und Mädchen nicht sexuell belästigt oder missbraucht werden".

Am Samstag besuchte auch Prinz Williams Frau Kate den Musikpavillon in dem Park in Clapham, an dem Trauernde seit der Tat des Opfers gedenken.

noe/gt